No.3
Huhu!! Da bin ich wieder Ja, ja, meiner einer war in Leipzig – oder sollte ich besser Läipzisch sagen? Aber wir wollen nicht negativ ausfallend werden. Die Stadt ist toll, gefällt mir gut. Allerdings ist mir auf dem Hinweg schon klar geworden, in welchen Behausungen die Leipziger wohnen. Ca. drei Autos standen da mit kaputten Reifen am Straßenrand. Als hätte man es nicht schon vorher gewusst: Demonstrativ, zeigen die Ossis, wovon sie am meisten haben – Es sind die Platten. Um genau zu sein Plattenbauten, die gerade in Leipzig häufig schon restauriert und zu relativ günstigen Preisen an wagemutige Wessis verkauft wurden. Nein, ich bin wieder zu gemein. Eigentlich sind die Menschen dort viel freundlicher als im Westen. Sie haben Zeit für Unterhaltungen, erklären einem gerne wie man irgendwo hinkommt (In Leipzig nicht wirklich notwendig, da man sich ziemlich schnell dort zurecht findet) und lassen einen, auch wenn man aussieht wie der letzte Penner und absolut unbekannt ist, in die Wohnung, damit man einen Eindruck bekommt in was für einer Enge man zukünftig leben wird. Bitte versteht mich nicht falsch. Diese Enge ist natürlich eigentlich Freiheit und der Anbeginn eines neuen Leben, aber natürlich auch eine Abkehr von den gewohnten Ausbreitungs- und Lebensstandards. „Nun gut,“ mögt ihr sagen und mich dann mit zusammengekniffenen Augen fragen „aber der Akzent ist doch trotzdem ein unüberwindliches Hindernis?“ und ich werde euch freudenstrahlend antworten können „isch weiss jonich wäs iah habt, da jibts käinen Agzent“. Ihr braucht „jar nücht“ sagen ihr Wessis. Ständig redet ihr von Demokratie und Weltfrieden, dass es langsam anfängt zu nerven. Gerade der „Weltfrieden“ ist der Pseudo-Weihnachtswunsch Nr. Eins. - „Naaa mein Kind, was wünschst du dir denn zu Weihnachten?“ -„Weltfrieden, Mama!“ -„Das ist aber fein mein Kind, da bekommst du dieses jahr extra große Geschenke!“ Ich kann’s nicht mehr hören. LEUTE, wisst ihr überhaupt was Weltfrieden bedeutet? Kein Gemetzel, kein Blut, Überbevölkerung Hungersnot und das Schlimmste für euch, ihr lieben Wessis: Die Tagesschau dauert nur noch fünf Minuten. Den Wetterbericht ham se gleich mitgestrichen. Herrscht ja sowieso überall eitler Sonnenschein. Bah, widerlich. Wer sich vor euch Weltverbesserern retten will, hat nur noch eine Wahl: Die Kirche – am Besten die Katholische. Nein Danke – ihr lieben westdeutschen Spießer, ich kann eure Blümchentapete, eure Porsches und eure Selbstverliebtheit nicht mehr sehen. Ihr redet vom Weltfrieden, während ihr die Gartenzwerge des Nachbarn zerstört. Ihr redet von den bösen Ausländern, die euch die Arbeitsplätze klauen, während ihr Pizza, Döner und Gyros fresst und ihr redet über die Ostalgie, als wäre sie irgendeine neumodische Kitschveranstaltung, made by irgendeiner neuen Werbefirma, welche die Werbekampagne auf dem Rücken eines faden Politikers canceln musste um nicht verklagt zu werden. Kitsch meine lieben, das ist nicht der Osten. Kitsch ist das, was ihr allabendlich im Fernsehen anschaut, was ihr heimlich unter der Bettdecke lest und was ihr demonstrativ ins Regal oder ans Fenster stellt. Ist euch mal aufgefallen was es da alles gibt? Klar, die hässlichen Wandergipsfiguren und die rosa Püppchen werden wohl von vielen noch als Kitsch identifiziert. Aber was ist mit Rosamunde Pilcher, Yvonne Catterfeld, „Diedda“ und all den anderen unidentifizierbaren Geschmacksverirrungen? Ich sage euch, was ich glaube: Kitsch ist das Produkt einer einzigen Firma. Sie produziert, Romane, Filme, Kasseten, Stoffbilder und weiss Gott –oh tschuldigung, der ist ja Tot – was noch, nur um einen riesen Reibach im Westen zu machen. Kitsch bedeutet nichts anderes als „Kommerz in treuen, starken, „camouflierten“ Händen – Zu gut Deutsch, Hand auf, Film ab, Tränen los, Geld rein, Hand zu, Haiti. Das gibbet nun wirklich nich im Osten. Immerhin sind die ja Sozialisten gewesen. Ich meine lieben, werde keiner sein, aber Kitsch wird ich bekämpfen, wo ich nur kann. Ich recke meine hochrote Faust in den Himmel und Schreie mir die Kraft aus der Seele: „Ober, du Ochs, wenn du das blöde Liebesheftchen net weglegst und mein Pils net in einer Minute da ist, zeig ich dir mal was meine postwestdeutsche Sozialistenfaust mit verweichlichten Saufbirnen macht – Und dass du’s weißt: solidarisch mit meiner neuen Heimat schieb ich dir die ostdeutschen Extrastunden gleich mit hintenrein“ Danke, ich hab euch lieb, denkt an mich und spendiert mir ein Bier, beim nächsten Mal, wenn ihr mich seht.

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