No.9
Einen wunderschönen guten Morgen aus dem Sachsenländle…
Lang, lang ist es her, dass ich wohl formulierten bullshit von mir gegeben habe. Jetzt, wo ich auf dem Sprung zurück nach Bensheim bin, dachte ich fasse ich meine letzten zwei Wochen gesellschaftskritisch zusammen und hoffe auf eine moralische Besserung der Zustände… und wenn ich von Zuständen spreche, dann meine ich Zustände!!
Man könnte ja meinen eine Stadt würde sich um ihre Bürger kümmern. Gerade die Armen und Bedürftigen, brauchen jemand der sie an der Hand nimmt und ihnen zeigt, wir sind für dich da – wir die verdammte Gesellschaft, die aus dir ein psychisches Frack, eine abgetakelte Alkoholfregatte ( einen Euro für den, der mir sagen kann, aus welchem Komik das Schimpfwort „abgetakelte Fregatte“ kommt) gemacht hat.
Aber nein, Leipzig schert sich einen Dreck, diese Menschen zweiter Klasse, diejenigen die selbst zu arm sind um sich Eier für die Montagsdemonstrationen zu kaufen. Die finanzielle Unterstützung sagt ihr? Ihr wisst doch selbst, was Alkohol heutzutage kostet. Nein, ein bisschen Bruderliebe – ein eiskaltes Becks oder eine der anderen vielen Köstlichkeiten, die ursprünglich aus Deutschland stammen, aber von raffgierigen ausländischen Großkonzernen aufgekauft wurden (ach scheiß der Hund drauf) – wären das mindeste was man einem armen Mitbürger zukommen lassen könnte.
Zu Recht sage ich euch, hat sich der Dippelbruder bei diesem orangefarbenen Lackhosenträger beschwert. Aber warum nur verbal? Warum hat er sich nicht auch mit der Faust seine Rechte erkämpft? Ich hätte weggeschaut, weggeschaut wie die lieben Mitbürger, welche kleine arme World-Vision-Kinder mit Geldern versorgen, nur damit diese nicht an Hunger sondern an Aids sterben.
Richtig ist, dass dieser arme kleine Mann – und natürlich trifft es immer den armen kleinen Mann – sich gewehrt hat. Gewehrt, gegen die Wegnahme des Inhaltes eines einfachen Mülleimers. Mit den Worten „hey, das ist mein Mittagessen“ hat er alles gesagt und den Stadtarbeiter richtigerweise in die Flucht geschlagen…
Aber wenn wir schon beim Schlagen sind. Diese World Vision Leute gehört wirklich die Seele aus dem Leib geschlagen. Bekomme ich doch ständig Post von denen mit kleinen Kindern fragend:
„Warum darf ich das Wasser nicht trinken?“ (ganz klar, weil’s verseucht ist)
„Warum werde ich nie satt?“ (weil du net genug isst)
„Warum habe ich nur ein altes Kleid?“ (eins reicht, finde ich)
„Warum gehe ich nicht zur Schule?“ (weil du zu doof bist)
Die Antworten in den Klammern waren meine ersten Gedanken, bis, ja bis ich herausgefunden hatte woran es lag:
Das kleine Mädel war Modell – sie darf nicht zu viel essen, weil sie sonst fett wird und keine fetten Werbeschecks von World Vision kassiert, hat nur ein altes Kleid, weil World Vision einen auf „wir sammeln Geld für uns … ach auch für ein paar arme Kinder“ macht, geht nicht zur Schule, weil der Einjahresvertrag sie voll auslastet und man für eine schwarze Modellkarriere keinen Grips braucht, sondern lediglich mal eine verdammt blutige Beschneidung und ein Ausreiseticket (wenn man dann bekannt ist, kann man ein paar Bücher über Blumen in der Wüste schreiben und das ganze mit ein paar Stangen Geld halbwegs verkraften) und warum sie das Wasser net trinken darf ist eigentlich auch klar. Der Vertrag läuft nur mit Vittel nicht mit Bonaqua….
Wie auch immer, ich werde ausfallend und gemein. Das wollte ich nicht. Ich frage mich nur, wo World Vision das Geld für die viele Werbung hernimmt. Wenn ses pressen, bräuchten sie die Werbung net und wenn ses über Spenden finanzieren: „shame on you!“…
Ach egal, wo war ich ja: zurück zu Jesus.
Wie in jeder größeren Stadt, erwarten einen des öfteren überraschende Standangebote – mal abgesehen von den panflötenspielenden Latinoschwuchtel, den „rettet die grün-weiß-gestreiften Wild-Amazonas Gürtelhornelefanten“-Aktivisten, den heruntergekommen „stehst du auf billige Videos“-Videoringagenten und den „finde den Weg zu Vishnu“-Gurugockeln, findet man ab und an doch was interessantes. So ging es mir gestern vorgestern oder an einem anderen Tag an dem ich dazu verdammt war die Innenstadt zu durchqueren: „Jesus lebt“ musste ich auf einem Schild lesen – „ach echt?“, dachte ich, „war der nicht schon 2000 Jahre tot?“, „haben se den nicht am Kreuz genagelt und dann die Jungfrauen um ihn geweint?“. Ja richtig, der Kerl der Steine ins Rollen brachte, aus Wasser Wein machte – den hätt ich gern gekannt – und ständig mit irgendwelche Verschwörungstheorien aufwartete („einer von euch wird mich verraten haben, bevor der Hahn am Morgen drei Mal kräht“ oder so ähnlich). Der Kerl soll noch leben. Mal abgesehen von seinem grausamen Tod (nachzusehen in dem realitätsnahen Dokumentarfilm „Passion of the bitches Teil V“ äh.. ich mein „Passion Christi“) hätte der sich doch nie 2000 Jahre gehalten. Nun gut, ihm wurde nach CIA-Methode der Prozess gemacht ( „er besitzt definitiv Massenvernichtungswaffen“), dem eigenen Volk unter rechtlich einwandfreien Kriterien übergeben („Hey, Saddam – du auch hier?“) und dann verschwindet er noch auf kuriosen und relativ unglaublichen Wegen („ja klar,… und dann ist er auferstanden“).. wer weiß, vielleicht wurde da ein bisschen gedichtet. Ist wohl bei den damaligen Biographen nicht anders als bei den heutigen. Vielleicht hat er ja überlebt, irgendwann versucht mit „meine Memoiren“ den dicken Reibbach zu machen – ist aber in den Spätantiken Wirren untergegangen, vor allem deshalb, weil sie sich nicht einigen konnten, ob Jesus nun ein und der Selbe wie Gott, oder sein Sohn ist. Da wird es schon schwierig die Glaubwürdigkeit des Autors nachzuweisen, vor allem wenn er angeblich schon 400 Jahre tot ist. Es ist ganz gut möglich, dass enthaltsame Menschen über 2000 Jahre alt werden – ich mein, alle Mönche haben weiße Haare und die, welche übern Jordan hüpfen, waren bestimmt in einem österreichischen Jesuitenkolleg (ja, ihr wisst was ich meine: ficki, ficki auf dem Altar“). Richtig, eine altbekannte 68er Weisheit dürfte dies noch bestätigen: Unter den Talaren, kein Fick seit tausend Jahren“ – ok wir wandern unter die Gürtellinie. Aber plötzlich wusste ich dass es nur so sein konnte. „nobody fucks with Jesus man“; Jesus hat einen lilanen Ganzkörperanzug an und wurde wegen Geschichten mit achtjährigen erst vor kurzem verknackt. Jetzt hängt der in so einer verwichsten Bowlingbahn rum und sucht sich seine Jünger aus einer Gruppe von Losern zusammen. Es wird Zeit, ich muss los und schließe mit den Worten eines christlichen Türstehers – was zwar nicht direkt zum Thema passt, aber beweist, dass auch Muskelklötze im solarium Zeit zum Bibellesen haben:
„du bist es nicht würdig, dass du eintritts unter mein Dach und sprichst du noch ein Wort, wirst du nie wieder gesund“.
Und vergesst nicht: Nichts ist ernst, außer man heißt so – bis dann J

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