Saturday, September 02, 2006

No.12

Gott sei Dank, es ist ein Tag wie jeder anderer. Obwohl von manch Konservativem als Selbstverständlichkeit betrachtet, ist es dies wahrlich nicht mehr. In Zeiten des Terrorismus, der biblischen Rachewellen und der Haushaltslöcher erwacht man jeden Tag auf’s Neue immer mit einem mulmigen Gefühl im Hinterkopf: „Was könnte heute wieder passieren?“ „Treiben mich moralische Verpflichtungen dazu wieder Gelder zu spenden trotz der klamm gewordenen eigenen Kasse?“. Muss man gar befürchten, dass weitere Plagen das Land überziehen wider Dem, was momentan existiert? Wir hatten schon unsere eigene kleine Flutwelle. Vielleicht um einen weiteren närrisch-gläubigen Staatsführer auf dieser Welt zu verhindern, oder vielleicht nur ein genial ausgeklügelter Schachzug des Kanzelpriesters, des Weltstaatsmannes, des bekennenden Pazifisten, des lupenreinen Demokraten… was bleibt außer dem satanischen Lachen, mit welchem er das Land in mancher Bierrede überschüttete? Schröders Katze stirbt mehrere Tode und landet doch immer wieder auf ihren Füßen. 2002 Die Flut und 2006 Fußball und Merkel? Wird er gar zum ewigen Kanzler, Helmut Kohl gleich, welcher so massig wurde, dass nur ein verordnetes Slim-Fast für den deutschen Haushalt ihn vom Thron schieben konnte. Ja hat es das? Hat der den Thron nicht gleich – festklebend an seiner Gestalt, dem Lichtkanzler – mitgenommen. Wer war Deutschland nach 1998? Ein gescheiterter New Economy-Spieler? Ein irakischer Kriegsdienstverweigerer? Ein auf Mitbestimmung drängender UNO-Polterer? Oder einfach nur ein Staat, der sich übernommen hat? Schon Napoleon III. stürzte über seine aggressive Außenpolitik, mit welcher er von der inneren desolaten Lage ablenken wollte. Passiert uns Deutschen gleiches? Isolieren wir uns derart, treiben wir es wieder solchermaßen auf die Spitze, dass erst amerikanische Panzer durch das Brandenburger Tor fahren müssen um uns wieder zur Vernunft zu bringen. Ach die liebe Vernunft! Wo ist sie hin? Weltpolitik scheint ohne sie zu funktionieren. Während oben polternd, tobend, Applaus einheischend, der Staatsmann, der hitlersche Redner, steht, müssen im Hintergrund Diplomatenheere die versalzene Suppe vor den Gedemütigten auslöffeln. Sind sie die neuen ABM der postmodernen Staatenwelt? Können sie das retten, was man in jahrelanger Kleinarbeit – der weißen Taube folgend – aufgebaut hatte? Oder hat Saddam Hussein mit einer seiner zelebrierenden Feuersalven den armen Vogel schon vom Himmel geholt? Wir wissen es nicht und tun gut daran es nicht zu hinterfragen. Nein, nachfragen sollte man in gar keinem Fall. Bei all zu vielem könnte uns die Antwort verstören, gar zu unangemessenen Handlungen treiben – gerade wenn es um jene Dinge geht, von denen wir meinen dass diese uns anderen gegenüber privilegiert (z.B. unsere fantastisch-föderalistische Staatsform). Wenn aber nun auch noch Staatsdiener dazu verdonnert werden ihre undeklarierten Zusatzverdienste aufdecken zu müssen ist es wohl ohnehin vorbei mit schmalspurigem Bekenntnis zur Repräsentationsdemokratie. Immerhin, man muss es ihnen eingestehen: Die Repräsentation des Volkes haben sie in all den um sie schwimmenden Millionen, Lobbyisten und mephistotelischen Rhetorikern, welche sie von ihren jeweiligen ideologisch angehauchten Utopiegebilden überzeugen wollen, nicht vergessen. Nein. Nur ihre Interpretation des völkischen stimmt nicht mit dem Gemeinsinn über demokratische Wahlerwartungen überein. Nicht das Volk welches wählte gilt als eigentliches zu Repräsentierendes, sondern vielmehr das Volk, welches digitalisiertes Einheitsmünzgut allmonatlich auf die meist in Luxemburg präferierten Konten – fein säuberlich als jüdisches Erbkonto zum Schutz vor nationalsozialistischem Volkszugriff deklariert – überweist. Immerhin: Besagtes Volk steht ganz vorne und um genau zu sein, volkt im Anschluss nicht mehr viel: Eigentlich nur noch ein kurzes Wagen, welches darüber aufklärt, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur sich selbst exportiert, sondern auch fähig ist mehrradbetriebene Vehikel in defizitärem Gutglauben auf den amerikanischen Markt zu werfen. Nun denn; wir wollen nachsichtig sein: der Büßende hat seine Pflicht getan, die bösen Bundesbuben öffentlich an den Pranger gestellt und oppositionelle Samariter eilen herbei um jene fälschlich Agierenden in den Schutz zu nehmen: Man solle es mit der Kritik nicht übertreiben, gar die demokratische Grundfestung in Gefahr sehen, sondern sich auf gutdeutsche Werte besinnen und einfach mal die Klappe halten, fein weiter zahlen und hoffen, dass irgendwann einmal alles wieder gut wird. Warum auch nicht, schließlich sind wir das ja gewohnt. Als vor ein paar Jahren christdemokratische Kofferträger aus der dunkelgrauen Masse der anonymen Nachkriegsyuppies herausgezogen und mit der Spendensünde gebrandmarkt wurde hielt sich die sozialdemokratische Perversion auch dezent zurück den biblischen Sündenfall auszurufen und die vom richtigen Glauben Abgefallenen standesgemäß auf öffentlichen Plätzen zu verbrennen. Vielleicht hatte man ja Angst vor den eigenen kleinen Kellerleichen oder man wollte es mit der katholischen Kirche halten: Spenden, Ablass und Ähnliches sind notwendige Übel einer Gesellschaft die daran glaubt mit Geld alles kaufen zu können. Nun denn, liebe Mitbürger wenn sich nun unsere Welt so verhält wie einst zu Sodom und Gomorras Zeiten, tun wir dann nicht gut daran uns anzupassen, uns quasi selbst zu verderben, oder sollten wir uns nicht lieber besinnen und zu altchristlichen Welten - Familienwahlrecht wäre da vielleicht ein Anfang – zurückkehren, damit nicht jene schon zu anfangs bedachten Flutwellen auch über europäisches Besserland hinabstürzen werden. War nicht jene Stadt, welche nahezu ausgelöscht tagtäglich über bundesdeutsche Bildschirme flimmerte eine Hochburg der sexuellen Unzüchtigkeit? Ich wage es kaum zu Fragen – auch mich treffen ab und an moralisch-engzwängende Bedenken – aber wie viele der vermissten Deutschtouristen waren gar auf kinderunfreundlichen Abenteuertouren im thailändischen Busch unterwegs? Geschieht es nicht dem ein oder anderen Höhenbesteiger ganz recht hinabgespült worden zu sein in das Grab der ewigen Sünder, das teuflische Höllenfeuer welches er einem jeden seiner nächtlichen Besuche im Vorfeld des durchwässerten Gottesgrußes bereitet hatte? Ich beanspruche nicht diese Frage beantworten zu können. Ab einem gewissen Punkt enden die Grenzen des guten Geschmacks und man möchte nicht die elendig Verstorbenen über den Einheitskamm des Vorurteils hinwegscheren. Nur ein großformatiges Magazin wie der Spiegel kann es sich erlauben über alle Grenzen hinweg dem Zynismus zu huldigen, doppelfrontal die Todeswelle zur eigenen Verkaufszahlenssteigerung zu nutzen und einen Jeden seines spendablen Mitgefühls zu erinnern, uns drei Euro als gute Tat zu entlocken um nachlesen zu können, welch personifizierende Einheitssülze deutscher Starjournalismus zur Allgemeinbefriedigung an nachbarschaftlichen Kiosken zu verbreiten sucht.
Wie auch immer: Es gibt nun einmal solche Tage, an denen möchte man sich einfach wieder umdrehen, die Augen schließen und hoffen, dass der nächste Tag etwas Besseres bringt. Vielleicht den Weltfrieden, den Lottoscheck oder einfach nur die Erkenntnis, dass man sich genauso gut auch über sich selbst sorgen machen kann, bevor man diese auf alles andere verschwendet.

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