Sunday, September 03, 2006

No.18: Französische Spalte I

Französische Spalten – nicht im anrüchigen, sondern im aquataxischen Sinne – werden nicht in Französisch geschrieben werden. Dies gilt es zu Anbeginn der Pariser Ära klar zu stellen.

Nicht weil ich nicht ebenso gewandt im Französischen agieren könnte – Ich bin quasi ein französisches Flexibilitätsgenie. Sondern weil mich eben diese Flexibilität – das ständige Ausweichen, über Umwege den Sinn Erreichen, weil einem das entsprechende Wort nicht einfällt – von Wortassoziationen – Ja, auch den vielen schlechten – abhält.

Nun denn, trotzt der Berichterstattung aus dem Ausland, werde ich mich deutschen Verhältnissen zuwenden: Wir haben es schon immer gewusst: Auf der Blüte ihres Lebens veröffentlicht Eva Herrman ein neues Buch wie sich die „Frau“ am Besten selbst geiseln könne. Das Prinzip ist ganz einfach: Früh Kinder kriegen, dann in in betagtem Alter mit der Karriere beginnen und darauf hoffen, dass die Politik zum konservativen Wohlfahrtsstaat – zum male-breadwinner-state – zurückkehrt. Gerade zum richtigen Zeitpunkt also erscheint das Buch auf dem Markt: Es erspart der CSU ihr neues „back-to-the-roots“-Programm inhaltlich zu untermauern. Ein Verweis auf die Herrmannsche Bibel reicht völlig aus…

Einige Kritiker rätseln zwar, wie der Mensch Herrmann auf solche Gedanken gekommen ist, wenn sie doch alles aber auch wirklich alles bis dato falsch gemacht hat? Frühe Karriere, Talkshows, Tagesschau, usw., doch weiß die ergrauende Blonde auch hier eine Antwort:
Schuld daran war das das „Ich begreife die Welt“-Phänomen sehr lange auf sich hat warten lassen und dass 100%verlässliche Kindermädchen.

Aus hohem Alter lässt sich natürlich einiges besser verstehen, man kann die Gedanken schweifen lassen und endlich begreifen was „die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“: Die Rollenteilung von Mann und Frau. Das Ganze geht vor allem dann auch so leicht, wenn durch frühes Besteigen und Erklimmen der Karriereleiter ein Polster gelegt ist um zum einen überhaupt Bücher veröffentlichen zu können und zum anderen, dass sie überhaupt Gehör finden.

Ich persönlich glaube ja weniger an die Herrmannsche Spätkarrieretheorie, als an Alterssenilität, aber hier mag ich mich auch irren.

Irren kann man sich natürlich auch, wenn man das neue Al-Qaida Video näher analysiert. Leider ist dies weder mit Chips und Bier noch mit ernsteren Analysemethoden möglich. Vorausgesetzt man hat kein Aljazeera zu Hause, versucht man sich schwer daran besagtes Video im Netz zu finden: Meine Ambitionen diesbezüglich sind in diesem Moment erschöpft.
Deswegen verlasse ich mich auf die sekundäre Interpretation westlicher, neoliberaler, antislamischer Hetzmedien: Kurz dem Spiegel (Nebenbei, hatte ich eigentlich schon erwähnt wie man damals auf meine Kündigung reagiert hatte, nachdem ich die mangelnde Ausgeglichenheit und Einseitigkeit der Spiegel-Berichterstattung kritisiert hatte? Ich „solle doch dem Spiegel nachsehen, dass er nicht meine Meinung vertreten könne, sondern ihm eine Ausgewogenheit der Berichterstattung am Herzen liege“. Es hat einen weiteren Verdacht bestätigt: Weder intensives Recherchieren noch gründliches Lesen, gehört zu den Stärken der Spiegelredakteure seit Augsteins Tod – Gott habe ihn seelig.).

Nun also befürchten – um wieder zum wahrhaftigen Weg zurückzukehren – US-Experten, dass besagte Videobotschaft eine versteckte Andeutung auf weitere zukünftige Anschläge beinhalte. Gut, diese Vermutung ist jetzt nicht ganz so abwegig, wenn man sich folgende Wort zu Gemüte führt: „Wir laden alle Amerikaner ein, zum Islam zu konvertieren, wie auch immer ihre bisherige Rolle und ihr Status in der Weltordnung von US-Präsident Geroge W. Bush oder Großbritanniens Premierminister Tony Blair ist. Entscheiden Sie heute, denn heute könnte ihr letzter Tag sein.". Allerdings wird hierbei wohl vergessen, dass der „letzte Tag“ auch der jüngste vor Gott sein könnte und dann ist die Analogie gar nicht mal so abwegig: Aus der Sicht eines Muslimen ist das einzige was Nicht-Muslimen vor Allah noch retten kann die Konvertierung. Wow, eine grundlegenede Videoerkenntnis: Jeder Tag könnte der letzte sein. Bald sind ja auch wieder Kongesswahlen in den Staaten…. Aber genug davon. Es gibt nun wirklich Wichtigeres in der Weltgeschichte als videobotschaftende mutmaßliche Weltzerstörer.

Den Iran z.B. Ich möchte jetzt für selbigen keine Lanze brechen. Aber die Fußballliebe des dortigen Präsidenten hat mir weitaus besser gefallen, als die unsere wohlgeliebten Bundesverschandlerin. Weniger tröstende Worte in der Kabine und mehr Richtungsstärke – wohin denn nun eigentlich? – wären sicherlich besser gewesen.

Ahmadinetschaaf auf der anderen Seite hielt es für besser zu Hause zu bleiben und seelenruhig in seiner Postrevolutionswiege von einem zweiten Holocaust und der islamischen Weltherrschaft zu träumen. Ich mein’, sicherlich ist er kein normaler fundamentalistischer Isamist – sonst wär er wohl kaum Präsident – aber immerhin weiß er doch die Welt mit allerlei Späßen zu erfreuen. Seien es nun lustige Wassermobile, globale Fernsehduelle (worum geht’s hier eigentlich?) oder friedliche Urananreicherungsprogramme eines kann das Ahmadinetschaaf sicherlich auf jeden Fall: besser Englisch als Bush Arabisch.
Sehen wir es doch mal so: Eigentlich ist der Rest der Welt uns einen Schritt voraus: Sie können ihre Heimatsprache – die immerhin nicht wenige in der Welt sprechen – weitaus häufiger eine europäische Sprache als Europäer Arabisch, haben mehr Selbstkontrolle, nur einen Gott (Bei uns ist es der Markt, Jahwe und jährlich wechselnde Fußballspieler respektive Bravo-Ausgeburt „Tokio Hotel“) und sind bereit sich für bessere Lebensbedingungen in die Luft zu sprengen. Wäre das bei uns auch der Fall, hätte der DGB sicherlich eine ganz andere Rhetorik…

Wir sehen also, so toll sind wir auch wieder nicht. Vor allem: Wir haben kein Öl. Also hören wir doch auf mit unserem Besserlebenkolonialismus und reihen uns ein in die Reihe der schleimigen Ölbettler. Wenn wir nämlich so weiter machen, kaufen die Chinesen, Russen und WeißderGeier wer noch uns die Wirtschaft weg – während wir noch immer heulend den abgefrackten Moralapostel spielen. Denn sein wir mal ganz ehrlich: Die Apostel spielen im Islam nun mal wirklich eine untergeordnete Rolle.

Saturday, September 02, 2006

Ein Gespräch von keiner Wichtigkeit

L.: Einen wunderschönen Guten Morgen, verehrte Mrs, ich wünsche wohl geruht zu haben

M.: Oh das habe ich tatsächlich. Auch wenn ich die meiste Zeit der Nacht damit verbrachte nicht zu schlafen. Man sollte eben nie seine Zeit für die Dinge opfern, die für diese bestimmt ist…

L.: Mit welchen Tätigkeiten denn sonst lassen sich Nächte verbringen? Ich verbringe immer meine Nächte mit Schlafen, ich könnte nicht ohne.

M.: Oh das ist ein Fehler.

L.: Nein, ganz und gar nicht! Ein Fehler wäre es wach zu bleiben. Es ist ganz und gar notwendig zu schlafen.

M.: Doch nicht etwa aus Angst vor dem frühen Tod?

L.: Aber sicher.

M.: Wie bürgerlich. Es ziemt sich nicht für eine Person wie Sie, sich den körperlichen Gelüsten hinzugeben und dem erschöpften Körper unverdiente Ruhe zu schenken. Schlafen kann man wenn man tot ist. Je früher, desto schicksalhafter und desto länger redet die Gesellschaft. Ist es nicht das einzige Ziel im Leben möglichst so zu sterben, dass die Gesellschaft möglichst lange über einen redet?

L.: Mag sein, zumindest gehört es zu der Art von Zielen, denen ich mich leichtsinnig hingeben würde, wenn mir nichts Besseres einfiele. Aber sie irren liebste Mrs. wenn sie glauben ich würde mich aus Erschöpfung zum Schlafen legen. Nein, nichts liegt mir ferner. Man sollte öfters Schlafen, als es der Körper fordert. Es wäre gar schrecklich in einem beobachteten Moment von demselben in die Knie gezwungen zu werden. Ich meide jegliche Auseinandersetzungen. Allein die Aussicht verlieren zu können erscheint mir unangemessen. Das einzige was Menschen zeigen, die vorgeben verlieren zu können, ist dass sie sich mit ihrer Mittelmäßigkeit abgefunden haben…

M.: … was gerade ihren Charme ausmacht. Ich bevorzuge nichts so sehr wie Männer ohne Profil. Es ist ausschließlich die Sache der Frauen dieses zu formen. Aber klären sie mich auf: Wenn nicht Erschöpfung sie niederzwingt, welche Leichtsinnigkeit verführt sie dann zu solcher Handlung?

L.: Die Langeweile liebste Mrs. Gegen die Langeweile hilft nur Schlaf oder Gesellschaft. Doch da es die unfreundliche Eigenschaft der Letzten ist in meiner Anwesenheit häufig selbst jenes Grundübel des Lebens zu produzieren, muss ich die Zeit mit anderer sinnloser Tätigkeit verbringen. Der Schlaf erscheint mir zwar nicht gänzlich sinnlos, aber er geht schneller vorbei.

M.: Ein hervorragendes Argument um die eigene Trägheit zu begründen. Das bringt mich dazu sie für einen Intellektuellen zu halten, mein lieber Lord. Leider ist es die gewöhnliche Eigenschaft von Intellektuellen ihre eigene Handlungsweise über die langweilige Gesellschaft zu begründen. Das macht sie geradezu langweilig. Womöglich ist dies der Grund, warum sich Intellektuelle nie ganz von der Gesellschaft abheben können. Ihnen fehlt der Esprit der Innovativität.

L.: Was schert mich meine Innovativität? Nichts ist uninteressanter als die eigene Erneuerung. Hierfür gibt das Leben einem nicht genug Zeit. Ohnehin halte ich deren Erfolgsaussichten für begrenzt.

M.: Erfolg ist nicht das Ziel des Lebens, schon gar nicht wenn es um die eigene Erneuerung geht. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die sich verbessern. Wer aus Fehlern lernt, vergeudet zu viel Zeit um über dieselben nachzudenken…

L.: … und nimmt sich die Chance einen Fehler ein weiteres Mal begehen zu können.

M.: Ich bin erstaunt, dass sie ausnahmsweise einmal meiner Meinung sind. Schade nur, dass ich daran glauben muss, sie taten dies aus Opportunitätsgründen. Ich verabscheue Menschen, die einem zustimmen. Sie nehmen einem die Gelegenheit sich mit ihnen streiten zu können.

L.: Verzeiht, ihre Schönheit trieb mir die Ranken der Harmonie in meine geschwärzte Seele. Es war nicht meine Absicht ihnen zuzustimmen. Um ehrlich zu sein versuche ich das Zustimmen zu vermeiden. Es ziemt sich nicht keine andere Meinung zu haben.

M.: Oh, aber es ziemt sich durchaus keine Meinung zu haben.

L.: Das ist etwas anderes. Wer keine Meinung hat, wird nie die der anderen annehmen.

M.: Ich sehe begründeten Anlass ihnen widersprechen zu müssen. Gerade mit keiner Meinung ist die Gefahr am größten das zu glauben was einem erzählt wird. Vor allem dann, wenn der andere einen mit Argumenten zu überzeugen versucht.

L.: Argumente sind nur ein weiteres Merkmal dafür, dass man keine Ahnung hat. Wer die Antwort weiß braucht sich nicht bemühen andere davon zu überzeugen.

M.: Es sei denn die Person leidet unter Sendungsbewusstsein.

L.: Dann kennt sie die Antwort nicht. Menschen mit Sendungsbewusstsein glauben die Wahrheit gefunden zu haben und verbreiten sie nur deshalb, weil sie eine Bestätigung dafür erhalten möchten.

M.: …Oder weil sie Ansehen erlangen möchten…

L.: Das ist nahezu das Gleiche.

M.: Mir scheint ihre Begründung paradox. Wie soll ich die Wahrheit finden, wenn ich sie nicht diskutieren darf?

L.: Etwa mit Leuten die keine Ahnung haben?

M.: Woher wollen sie das wissen?

L.: Sie haben meist die besseren Argumente. Sonst gäbe es heute nur eine Wahrheit.

M.: Davon war ich bisher überzeugt.

L.: Ach meine Liebe, die Wahrheit ist so bunt und vielfältig wie die Menschen, die an sie glauben.

M.: Dann müsste sie grau wie die Masse der Konformisten sein.

L.: Im grau verstecken sich viele Farben. Konformisten und Philister passen sich nur aneinander an, weil die Langweile sie dazu treibt. Das ist das Grundübel unserer Gesellschaft…

M.: hiervon, dachte ich gibt es mehrere.

L.: Grundübel oder Gesellschaften?

M.: Beides.

L.: Unmöglich. Sind sie sicher?

M.: Nein.

L.: Sie sind so überzeugend.

M.: Das ist eine der natürlichen Eigenschaften, die ich zu vermeiden suche. Aber fahren sie fort. Ich bin gespannt auf ihre Definition des Grundübels. Schon seit meiner Kindheit zieht mich das Schlechte an. Es hat so etwas Verführerisches.

L.: und sie nennen mich einen Langweiler? Zu meinem Unglück muss ich gestehen, dass ich vergessen habe was ich sagen wollte. Ich denke nie länger über eine Sache nach. Das macht sie langweilig.

M.: Zu Schade, dabei waren wir der Wahrheit so nah.

L.: Ach tatsächlich? Sie sind also immer noch von der einen einzigartigen Wahrheit überzeugt?

M.: Nur für den Moment.

L.: Selbst dieser ist zuviel.

M.: Sie haben Recht. Das Leben ist zu kurz um über die Wahrheit nachzudenken. Es ist wie mit der Vergangenheit: Nachdenken über Unabänderliches ist Zeitverschwendung.

L.: Wie vieles andere was wir tun.

M.: Leider erkennt man dies meist erst im Nachhinein.

L.: Ich dachte sie denken nicht über die Vergangenheit nach…

M.: Möchten sie mir etwa einen Strick drehen, aus dem was ich gesagt habe? Es ist ganz und gar unanständig einer Frau das vorzuhalten was sie gesagt hat. Männer sollten die Worte einer Frau nicht auf die Goldwaage legen. Sie können ohnehin nicht verstehen was diese zu sagen glaubt.

L.: Entschuldigt, liebste. Manchmal vergesse ich meine eigene Dummheit und meine Frauen widersprechen zu können. Könnt Ihr mir verzeihen?

M.: Niemals. Aber reden wir nicht mehr von der Dummheit der Männer. Nicht nur das Nachdenken, sondern auch das Reden über Unabänderliches ist Zeitverschwendung.

L.: Ausgezeichnet. Ich befürchtete schon ich könnte mich ändern…

M.: Oh, das tun sie aber, mein Bester. Allerdings zum Schlechteren.

L.: Das muss an ihnen liegen. In Anwesenheit von Frauen werde ich immer so vulgär.

M.: Wie ich schon sagte: sie sind bürgerlich.

L:. Es trifft mich zutiefst, wenn sie das sagen. Meinen sie nicht ich könnte das ändern?

M.: Jetzt sofort?

L.: Später werde ich nicht mehr daran denken.

M.: Nun gut, versuchen sie es. Aber ich muss sie warnen: Ich halte die Erfolgsaussichten für gering.

L.: und?

M.: Keine Veränderung. Zumindest keine merkliche. Im Gegensatz zu Frauen, sollten sich Männer alles anmerken lassen. Es gibt nicht Schlimmeres, als wenn eine Frau nicht weiß was ihr Mann möchte. Am Ende könnte sie ihm Gutes tun.

L.: Was für eine wunderbare Vorstellung…

M.: Ich finde sie abscheulich. Männer müssen Qualen leiden. Sonst sehnen sie sich nicht mehr nach der schützenden Hand einer Frau.

L.: Oh, aber ich finde Männer quälen sich untereinander schon genügend,…

M.: Das ist deren Problem, nicht das der Frauen.

L.: Meinen sie nicht man könnte nachsichtiger mit ihnen sein?

M.: Nein. Nachsicht ist eine weitere Form von Einsicht, die ich nicht zu erreichen suche.

L.: Bedenken sie die Qualen…

M.: mir wird ganz warm ums Herz.

L.: Ich spüre nur ihre Kälte.

M.: Wie ich bereits sagte: Männer können Frauen nicht verstehen. Das ist ihr natürliches Schicksal.

L.: ich dachte das ist der Tod…

M.: Sie halten den Tod für ein natürliches Schicksal?

L.: Für gewöhnlich ja…

M.: Der Tod ist zwar gewöhnlich aber nie natürlich. Wenn man nicht das Glück hat eines gewaltsamen Todes zu sterben, vollzieht die traute Zweisamkeit der Ehe den Rest.

L.: ist der Tod durch Ehe nicht natürlich? Am Ende stirbt einer der beiden durch das Zutun des Anderen…

M.: Mag sein, aber wer zuerst stirbt bleibt offen. Das ist das natürliche Roulette des Lebens…

L.: …aber was geschieht mit denjenigen, die nie eine Ehe eingehen?

M.: Die sterben an Gram und Neid auf die anderen.

L.: Ich verspüre weder Neid noch Gram, nur Mitleid.

M.: Eine weitere mögliche Todesursache…

L.: Natürlich.

M.:----

L.: Sie schweigen ja.

M.: Wenn sich Menschen etwas zu sagen haben, sollten sie schweigen.

L.: auch bei Problemen?

M.: Seit wann sind Probleme durch Gespräche lösbar? Gespräche schaffen geradezu Probleme. Das ist der Grund warum man redet, wenn man nichts zu sagen hat. Problemlosigkeit ist langweilig…

L.: unlösbare Probleme aber eine Tragödie.

M.: Eine Komödie! Nichts erfreut mich mehr als Probleme zu haben.

L.: sollte es Sie nicht betrüben?

M.: Wozu? Das ist bloße Zeitverschwendung.

L.: Aber haben sie dann überhaupt Probleme?

M.: Jede Menge, aber ich muss zugeben mich zu selten um diese zu kümmern. Wahrscheinlich bin ich deshalb in letzter Zeit so launisch.

L.: Oh, und ich hoffte schon es läge an mir.

M.: Machen sie sich keine Hoffnungen. Männer können einer Frau nicht die Laune verderben. Dafür sind sie viel zu amüsant.

L.: Sie schätzen also meinen Humor?

M.: Nein, ich lache sie aus.

L.: Wie ungemein bösartig von ihnen. Befürchten sie nicht, ich könnte es als eine Kränkung aufnehmen?

M.: Nein, dafür sind Sie zu intelligent.

L.: Wie ungemein freundlich. Nach solcher Bösartigkeit, wirkt ihr Lob weitaus stärker. So langsam beginne ich zu begreifen, warum nette Frauen von Männern nicht geschätzt werden. Meinen sie ich komme der Wahrheit näher?

M.: Welcher Wahrheit?

L.: Der einen.

M.: Ich dachte es gibt keine eine…

L.: Nein, aber es gibt eine über Frauen.

M.: Die gibt es tatsächlich, da haben sie Recht. Unglücklicherweise fehlt ihnen die Intelligenz dieser auf den Grund zu kommen

L.: Eben klang das noch anders.

M.: Das beweist, dass sie nichts begriffen haben.

L.: Ich habe das Gefühl sie spielen mit mir.

M.: und das ohne Herz-Dame. Bewundernswert nicht wahr?

L.: Was hat die Herz-Dame damit zu tun?

M.: Sie ist Trumpf.

L.: Ich dachte das wären die Asse und beim Skat die Buben.

M.: Ein Bube ist niemals Trumpf und Asse gibt es nicht auf dieser Welt.

L.: Aber womöglich auf einer anderen.

M.: Noch nicht mal dort…

L.: Träumt nicht jede Frau vom perfekten Mann?

M.: Träumen ja, aber haben möchten sie ihn nicht. Ein Mann den man nicht mehr verändern braucht ist langweilig.

L.: Ich verstehe nicht…

M.: Das macht nichts. Ich genieße ihre Anwesenheit trotzdem.

L.: Meinen sie nicht ich könnte mich doch steigern?

M.: Nur durch den Tod, aber ich fürchte den werden sie nicht bewusst miterleben.

L.: Nicht einmal einen Teil?

M.: Nicht einmal einen Teil. Bis er nämlich tatsächlich eintritt sind sie immer noch fest überzeugt ihm entrinnen zu können.

L.: Unser Gespräch erhält den Schein der Ernsthaftigkeit. Ausgezeichnet. Nichts ist interessanter als tiefgründige Gespräche in seichtem Wasser.

M.: Auch seichtes Wasser kann zur Erkältung führen.

L.: … und die zum Tod.

M.: Wie schade, dass eine solche Kleinigkeit, solch große Ausmaße annehmen kann.

L.:… ähnlich der Liebe.

M.: Kommen sie mir nicht mit so etwas. Davon verstehen sie nichts.

L.: Sie aber wie mir scheint auch nicht viel mehr.

M.: Ich hatte schon die Masern, Schnupfen, Röteln und vielerlei andere Krankheiten, aber von solcher blieb ich glücklicherweise verschont.

L.: Ich glaube sie lügen.

M.: Oh, unterstellen sie nie einer Frau eine Lüge. Frauen belügen nicht andere, sondern sich selbst. Nehmen sie ihnen nicht ihre Illusionen.

L.: Auch nicht, wenn man ihnen helfen kann?

M.: Der letzte Mann, der einer Frau geholfen hat, war der Henker von Maria Stuart.

L.: Sie meinen Männer verstehen Hilfe falsch.

M.: Männer verstehen überhaupt nicht.

L.: Das sagten sie bereits.

M.: Natürlich. Es gibt nichts Schöneres als sich zu wiederholen. Das gibt dem Gegenüber das Gefühl man würde auch tatsächlich meinen was man sagt.

L.: Wiederholungen verlängern aber auch Gespräche. Teilweise sogar unnötigerweise. Haben sie heute nichts mehr vor?

M.: Ich habe nie etwas vor. Planen gehört nicht zu meinen Stärken.

L: Nun denn, aber zu denen des Mannes. Unglücklicherweise stellen wir mit der Vollendung eines Planes fest, dass sich eine Vielzahl von neuen uns eröffnet hat. So treiben wir durchs Leben, bis wir schließlich daran gehen unseren Tod zu planen. Geklappt hat es aber – soviel ich weiß – nur bei den wenigsten.

M.: Wieso das?

L.: Im letzten Moment fiel ihnen immer noch etwas ein, was sie vergessen hatten.

M.: und was wäre es so wichtiges, dass es nicht einen kurzen Aufschub verdient?

L.: Oh, zu Leben. Aber um meine vorherigen Ausführungen fort zusetzten: Meine Pläne für heute sind noch nicht einmal ansatzweise angegangen, deshalb fürchte ich sie baldigst verlassen zu müssen.

M.: Dann fürchten sie weiter, während ich mich von ihnen verabschieden muss.

L.: Sie müssen auch gehen? ich dachte sie hätten keine Termine.

M.: Eine Frau hat keine Termine, sie richtet sich nach dem Mann.

L.: recht chauvinistische Worte für eine Frau…

M.: … weil sie sie nicht verstehen. Eine Frau verlässt den Mann bevor dieser es tun kann. Somit erspart sie sich das Gefühl zurückgelassen worden zu sein.

L.: Nur bei einem Treffen?

M.: Immer.

L.: Das sollte ich mir merken, es ist gefährlich einem Mann so etwas mitzuteilen.

M.: Nicht wirklich. Männern fehlt die Fähigkeit wichtige Dinge von unwichtigen zu unterscheiden. Männer denken in Fakten, nicht in Zusammenhängen.

Auf Wiedersehen, Lord.

L.: Es war mir eine Ehre Mrs.

M.: Eine Ehre wäre es gewesen, wenn sie mir das letzte Wort gelassen hätten. Nun sah ich mich gezwungen doch noch etwas zu sagen. Es liegt wohl in der Natur des Mannes seine Höflichkeit zu unterdrücken.

L.: Genauso wie es in der Natur der Frau liegt, nichts für sich zu behalten – noch nicht einmal das Unwichtige. Wie wurde ich von ihnen heute wieder belehrt…

M.: Schade, dass es ihnen an Rezeptionsfähigkeit fehlt. Trotzdem werde ich nie aufgeben sie zu verbessern suchen. Es ist eine tugendhafte Tätigkeit, die zwar zu nichts führt, aber immerhin die Zeit vertreibt. Nun schließlich: Leben sie wohl, mein guter Lord.

No. 17: Interview mit einem Weihnachtsmann

Guten Morgen, Herr Weihnachtsmann. Es ist uns eine außerordentliche Ehre Sie in den Räumen unseres Verlages begrüßen zu dürfen. Vielen Dank, dass Sie sich in solch arbeitsreichen Tagen ein wenig Zeit für uns genommen haben.

Oh, keine Ursache, keine Ursache. Ab und an eine kleine Unterhaltung belebt die Sinne und den Geist.

Nun denn, wollen wir gleich einsteigen und die wichtigste Frage gleich vorne wegnehmen. Gibt es Sie eigentlich wirklich?

Ach wissen Sie, dass ist eine metaphysische Spekulation. Wen interessiert es denn wirklich ob es mich gibt oder nicht. Letztlich ist doch alles was zählt, dass ich eine der meistabgebildetesten Personen auf Grußkarten bin. Nicht immer vorteilhaft, das muss ich zugeben, aber doch ziert meine unverwechselbare Arbeitskluft so ziemlich alles was den internationalen Postweg nimmt. Über die Existenz von jemandem der so öffentlichkeitswirksam in Erscheinung tritt, braucht man nun doch wirklich nicht zu spekulieren…

Aber meine Sie nicht, dass Sie ein klein wenig Licht ins Dunkel…?

… ins Dunkel und Trüb der kalten Wintertage? Aber sicher doch. Das ist meine Aufgabe. Es ist meine Aufgabe Freude und Liebe der Menschen untereinander in harten Zeiten zu fördern.

Eigentlich würde ich viel mehr etwas spezifischer auf die Eingangsfrage…

Wie ich schon sagte. Es ist nicht von Notwendigkeit darüber zu spekulieren.

Aber in dem rationalen Weltverständnis unserer Zeit könnte so eine Aussage doch durchaus Klarheit bringen und ein für alle Mal das vage an Weihnachten beseitigen und die Eindeutigkeit dieses Festes weltweit zur Geltung bringen.

Rational, rational!... Was ist schon rational? Wie Descartes so treffend formulierte: cogito ergo sum. Ich denke also bin ich. Weitere Aussagen fallen in die Subjektivität ab. Sie wollen doch jetzt nicht wirklich, dass ich Ihnen hier fantastische Geschichten erzähle, welche gar nicht verifizierbar sind. Glauben Sie es geht mir darum Weihnachten global zu vermarkten? Ja glauben Sie ernsthaft der Begriff des „New Public Management“ hätte Eingang in meine Betrieblichkeit gefunden? Ein jeder soll doch seine Jahre zelebrieren wie er will. Ob er nun meine Existenz leugnet oder nicht, ist für mich völlig irrelevant. Solange ich gebraucht werde, gibt es Arbeit zu tun. Ob es mich dabei gibt oder nicht ist für die zu erfüllende Sachlage völlig irrelevant.

Ich sehe schon, wir kommen hier nicht weiter,… Aber da Sie gerade ihre Arbeit erwähnten. In welchem Arbeitsverhältnis würden Sie behaupten zu stehen?

Ich bin Angestellter.

Nicht ihr eigener Chef?

Wenn ich das jetzt behaupten würde, könnten Sie dieses Interview im nächsten Jahr mit dem Osterhasen oder einer dieser anderen zweitklassigen Heidenhelden führen, weil meine Stelle wohl zur Disposition stehen würde.

Und bei wem sind Sie angestellt?


Bei allen. Den Menschen, den Engeln und natürlich bei Gott.

Gott? Gibt es den wirklich?

Geht das schon wieder los?

Nun ja, es betrifft durchaus auch mein Eigeninteresse.

Das würde ich als Pech bezeichnen.

Nur ein kleiner Tipp für unsere fleißigen Leser?

Die sollen die Bibel lesen. Da steht alles Notwendige drin. Wem das nicht reicht, sollte sich Mal in den Brockhaus vertiefen. Der ist quasi Ergänzungsliteratur.

Berechnungen haben ergeben, dass Sie theoretisch Abermillionen von Geschenke in einer Minute ausliefern müssten. Wie schaffen Sie das?

Betriebsgeheimnis.

Bitte? Ein bisschen mehr erwarten wir aber schon. Es ist doch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit…

Ich sage Ihnen das nur sehr ungern, aber ich glaube Sie würden es nicht verstehen. So wie Sie schon bei der ersten Frage herumgeharkt haben, würde eine Erklärung in die Selbe Richtung zu nichts führen. Zeit ist relativ. Entscheidend ist was Sie glauben.

Das bedeutet: Die Erfolgaussichten Ihrer Arbeit hängen am Glaube der Anderen.


So könnte man das auch formulieren.

Verspüren Sie nicht manchmal die Lust sich von solchen Abhängigkeiten frei zu machen?


Ich muss zugeben, ein sehr schwacher Mensch zu sein. Ich rauche gern Zigarre, trinke abends meinen Grog und Esse übermäßig viel – Letzteres ist natürlich auch durch meinen Beruf bedingt. Um es auf einen Punkt zu bringen: Ich brauche die Abhängigkeit, sonst würde ich mich irgendwie wertlos fühlen.

Wertlos? Im Sinne von: Was wäre der Papst ohne Katholiken?

Wohl immer noch Papst. Aber ja, das ist ein treffender Vergleich. Allerdings stört mich seine Religionsbezogenheit. Es gibt so viele schöne Beispiele: Ackermann ohne Gerichtsverfahren, Berlusconi ohne SchönheitsOP, Schröder ohne Haarfärbung,…

Meinen Sie nicht, dass Sie gerade ein wenig polemisch werden?

Ist das denn so schlimm? Immerhin ist es mein erstes Interview seit langem und ich bin schon vorsichtiger geworden. Dem Letzten habe ich präziser geantwortet und den haben Sie nach der Veröffentlichung feierlich als Ketzer verbrannt. Also seien auch Sie auf der Hut.

Die Zeiten der Ketzerverbrennung sind nun aber schon längst vorbei.


Und als was würden Sie dann die Bildzeitung bezeichnen?

Nun als vielleicht nicht ganz so seriöses Tagesblatt…

Ich sehe schon die Titelseite vor mir. „Journalist interviewte Weihnachtsmann – Immer mehr Spinner zur Weihnachtszeit“

Da mache ich mir keine Sorgen: Wir haben das ganze auf Tonband und immerhin sind auch noch ein paar Kollegen anwesend.

Würden Sie es glauben, wenn Sie’s hören?

Ach… weiter, weiter. Sie sagten doch selbst Ihre Zeit wäre knapp. Reisen Sie immer noch mit dem Rentierschlitten?

Er ist ungemein praktisch.

Wie schaffen das Ihre Tiere?

Sie sind trainiert und engagiert.

Bei den Bedingungen?? Was sagt denn der Arbeitsschutz?

So etwas brauchen wir nicht. Die Jungs geht’s gut bei nur einem Arbeitstag pro Jahr.

Und der Tierschutz?

Nette Herren. Letztes Jahr haben Sie mich gefragt, ob ich mich für die Peta-Kampagne ausziehen würde. Leider bin ich ungemein eitel und könnte es nicht ertragen meinen großen Kugelbauch auf Din A0 Plakaten zu betrachten. Mein innerer Schweinehund lässt sich einfach nicht überwinden.

Und was ist mit Rudolph? Gibt es den wirklich?

Oh natürlich. Der Prächtigste von allen. Allerdings ist seine Nase nicht mehr ganz so rot wie früher. Sie wissen ja, der Glanz der alten Tage verblasst mit der Zeit. Mein Bart war auch mal voller.

Wann?

Beim letzten Interview zum Beispiel.


Wann war das denn?

Och, zu einer Zeit als christlich noch katholisch bedeutete.

Nun zu etwas mehr Inhaltlichem. Macht Ihnen denn Ihre Arbeit Spass?

Irgendeiner muss es doch machen, nicht wahr? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Der Beruf ist interessant, ich kenne mehr Zimmer von Innen als Innenarchitekten, die strahlenden Kinderaugen am nächsten Morgen und so weiter, aber irgendwie wird es mit der Zeit langweilig. Man macht jedes Jahr das gleiche, optimiert vielleicht noch die Route und ändert die Laufabfolge der Rentiere, aber wirklich Spannendes passiert da nicht mehr.

Aber werden Sie nicht ab und an von Kindern überrascht?

Doch, aber die erkennen mich nicht mehr. Die glauben ich bin der gleiche Typ wie der am Vortag in der Kaufhalle und der hatte in seinem Habitus nahezu nichts mehr von einem Weihnachtsmann. Warum sollte ich Sie vom Gegenteil überzeugen?

Weil Sie der echte Weihnachtsmann sind!

Wer sagt das denn? Ist es denn relativ gesehen nicht durchaus möglich, dass ich gar nicht der echte bin oder möglicherweise nicht existiere.

Schon wieder Selbstzweifel?

Selbstreflexion gehört zum guten Ton, wenn die einen glaubhaft versichern man sei der einzig Wahre und die Anderen erklären auf Grund verschiedener Berechnung und der Überstrapazierung mathematischer Gleichungen, dass ich gar nicht existieren könne.

Aha. Sie sprachen von einem Habitus. Wen könnten Sie sich als Ihren Nachfolger vorstellen?

Mal abgesehen davon, dass ich glaube, dass keiner mehr heutzutage Lust hätte auf so einen Job, würde ich spontan Sean Connery nennen. Der ist sympathisch und hat ebenso einen Hang für außergewöhnliche Kleidung. Außerdem könnte der sich wunderbar von Peta photographieren lassen.

Das mit dem Photographieren stört Sie schon ein bisschen. Sind Sie sehr eitel?

Es muss sich in Grenzen halten, ansonsten könnte ich meinen Beruf nicht ausüben. Stellen Sie sich mal vor, Sie würden Ihren Beruf in einem roten Sozialistensack mit weißer Schwemmpolsterung ausüben müssen. Übermäßige Eitelkeit würde zum Suizid führen. Und glauben Sie mir, 50% der Weihnachtsmänner begehen Suizid.

Was so viele? Wie viele gab es denn schon?


Zwei.

Also hat sich von Zweien einer umgebracht. Das relativiert die Statistik schon wieder. So schlimm kann es ja gar nicht sein…

Da haben Sie Recht. Fragen Sie mal bei den Engeln nach. Wer hat schon Lust in kurzen Röcken auf Wolken zu sitzen, Harfe zu spielen und sich zu Tode zu frieren, weil es da oben Minusgrade hat. Ganz zu Schweigen von den riesigen Flügeln, die einem bei dem Luftzug die ganze Zeit um die Ohren schlagen. So gesehen geht es uns Weihnachtsmännern durchaus ganz gut. Wir sind bodenständig geblieben.

Bodenständig, wunderbar. Wo genau?

Wie meinen?

An welchem Ort erreicht Sie Fanpost?

Ach so, am Nordpol natürlich.

Und?

Und was?

Wie ist es so am Nordpol zu leben?


Glauben Sie ernsthaft ich lebe dort? Viel zu kalt. Allerdings hat irgendeiner Mal angefangen dieses Gerücht zu streuen und seit dem hat es die Post noch nicht hinbekommen eine neue Adressumleitung durchzuführen. Da habe ich aber auch Nachsicht: Post in diesen Mengen an jemanden der möglicherweise gar nicht existiert auszustellen und dann auch noch an eine neue Postumleitung an einen Ort, den es möglicherweise auch gar nicht gibt an eine Person die es möglicherweise immer noch nicht gibt umzuleiten, ist nicht die einfachste Aufgabe.

Das war kompliziert, aber wir haben ja das Tonband. Wenn Sie nicht am Nordpol wohnen, wo dann?

Im Himmel.

Das heißt genau?

Schauen Sie doch einfach Mal nach oben, vielleicht hilft Ihnen das ja als Ortsbestimmung. Aber fragen Sie mich jetzt bloß nicht wie es so da oben ist. Es ist kalt, es ist wolkig und es stinkt nach Rentiermist.

Oh..

Und außerdem liegen überall Geschenke herum. Ich komme einfach nicht mit dem Aufräumen hinterher. Einen Tag bin ich am Austragen, den Rest des Jahres verbringe ich damit Geschenke zu sammeln, zu verstauen und wieder auszutauschen, sollte Mal ein Wunschzettel „upgedated“ werden.

Was heißt „upgedated“?

Das heißt, dass es immer ein paar Bälger gibt, welche sich nicht wirklich einig über ihre Weihnachtswünsche werden können. Zur Lösung schicken sie einfach mehrere Wunschzettel. Ich nehme meistens den letzten. Allerdings bringe ich die Reihenfolge häufig durcheinander. So ist das Leben. Mal bekommt man ein Geschenk, Mal ist es das falsche.

Könnte ich Ihnen auch einen Wunschzettel mitgeben?


Das können Sie durchaus, aber glauben Sie ja nicht, dass Sie bevorzugt behandelt werden. Wer zuerst einreicht, wird auch zuerst behandelt. Einen Tag vor Weihnachten, sind Sie nun reichlich spät. Versuchen Sie es doch nächstes Jahr im Juni. Die Chancen auf richtige Wunscherfüllung steigen in den arbeitsschwachen Zeiten ungemein.

Herr Weihnachtsmann, wir danken für das Gespräch.

No.16: Weihnachtsgeschichte aus dem Gedächtnis.

Es begab sich einst – und das muss wohl schon ein ganzes Stück zurück liegen –, dass Joschka von Nazareth und seine wohlangetraute Frau, Maria, durch die israelische Tiefebene zogen um am Heimatort männlicherseits, Bethlehem, Kirchengeschichte zu schreiben. Es waren quasi zwei typische Rollenbilder – Mann, Frau – und die damit verbundene Arbeitsteilung: Joschka lief und seine bessere Hälfte ritt stolzierend auf einem bockigen Esel nebenher – was schon relativ dreist ist, wenn man bedenkt wie weit die Strecke von Nazareth nach Bethlehem ist. Sicherlich hatte Maria durchaus mit ihrer Schwangerschaft zu kämpfen, aber für die gute Sache, die Auflösung der geschlechtlichen Rollenbilder, hätte sie ruhig einmal absteigen und ein paar Schritte zu Fuß laufen können. Vor allem unter Anbetracht der Tatsache, dass sich das olle Luder des Nachts hat von einem wildfremden Mann/Frau schwängern lassen. Wer da im Nachhinein noch behauptet Jahwe (der Judengott, denn den der Christen hatten wir damals noch nicht. Ist aber theoretisch ein und der Selbe. Schwieriger wird es dann schon, wenn es darum geht, ob man Jesus, Gott und den Heiligen Geist trennen dürfe. Aber das wäre eine andere Geschichte…) wäre ihr im Traum erschienen und hätte ihr die Frucht Gottes eingepflanzt, hätte mit Peitschenhieben in die Wüste getrieben werden sollen. Ich erinnere nur ungern, aber: Du sollst nicht Ehe brechen und du sollst nicht lügen. Das ganze wird dann noch umso unglaubwürdiger, wenn man bedenkt, dass der unfehlbare Oberhirte gegen sein eigenes Gesetz verstoßen hätte müssen um solche Tat zu vollführen: Du sollst nicht begehren eines anderen Mannes Weib. Heutzutagejuristen würden ihm klar die mehrfache Auslegung des Wortes „begehren“ erläutern können. Der Definition nach wäre es wohl ohnehin ein „unpainful rape“ gewesen: wenigstens fragen hätte er können.
Der Taugenichts von Joschka aber, glaubte es werde schon nicht so schlimm sein, jeder mache Mal einen Fehler (typischer Gutmensch eben) und hat sie zum Massenevent des Jahres 0, die Volkszählung, einfach mitgenommen. Mit ein bisschen Weitsichtigkeit hätte er Hexenpogrome Kreuzzüge und die Papstwahl 2005 voraussehen und brav die Finger von der ganzen Sache hätte lassen können.

Nun schunkelten die beiden den Weg entlang bis zu ihrem Zielort und trödelten zugegebenermaßen auch ein bisschen. Hinzu kommt, dass die Infrastrukturausgaben der römischen Besatzungsmacht sich überwiegend auf die urbanen Gegenden beschränkten und in diktatorischen Regimen nun wirklich nicht auf das potentielle Wahlverhalten der Unterdrückten geachtet wird.
Letztlich wurde es also ziemlich spät, als die beiden Nachteulen das beschauliche Bethlehem betraten und mit Nachtleben war bei den paar Blockhütten und einer kleinen Synagoge ohnehin nichts. Schade für die beiden, denn anstatt die Nacht durchzutanzen, den kleinen Bastard mit ein paar Tequilas in die Hölle zu schicken und dann noch mal ordentlich Weihnachten zu feiern, haben sie sich auf die Suche nach einer warmen Unterkunft begeben. Unglücklicherweise konnte Maria ihre weitaus bessere Hälfte nicht im Vorfeld überreden für die Reise Tisch und Haus zu verkaufen und somit blieben ihnen mit den paar Groschen die sie hatten die wenigen der noch übrigen Zimmer verschlossen.
Ein alter kurzsichtiger Herbergsvater (Gutmensch Nummer zwei) erbarmte sich der beiden dann aber doch und ließ sie in der nahegelegenen Krippe übernachten. In der herkömmlichen Literatur kommt der Alte natürlich weitaus schlechter davon, aber wenn ich meine eigene glorreiche Religionsgeschichte niederschreiben müsste, würde ich schließlich auch nicht demjenigen danken, welcher dafür sorgte, dass mein Heiland nicht in Federbetten sondern einem stinkenden Strohverschlag zur Welt gekommen wäre. Hinzu kommt dass, würde ich ein solch monumentales Werk heutzutage beginnen ich den kleinen Bengel wohl kaum in eine Krippe legen könnte. Von dem kommunistischen, volksnahen Touch würde ich meinen Helden nie wieder losbekommen. Auch müsste die Einleitung wohl etwas umgestaltet werden. Mit der Aufzählung der Familienverhältnisse zu beginnen, ist nun wirklich nicht das richtige Mittel um auf einem konsumschwachen Sektor die Lesermassen anzulocken. Dass dann am Anfang noch das Wort steht, versteht sich glaube ich dann auch ohne, dass ich es explizit noch einmal schreiben müsste.

In der Krippe angekommen, machten die beiden es sich erst Mal bequem. Joschka legte sich beruhig auf einen Strohhaufen, Maria in die Wehen. Theoretisch wäre es nun in Zeiten, in denen das Wort Arbeitsschutz noch für Handschuhe stand und Arbeitszeit relativ flexibel (so bis zu 24 Stunden am Tag) gehandhabt wurde nicht sonderlich schwierig gewesen eine Hebamme zu bekommen, aber die beiden hatten in dem Moment andere Sorgen. Verdenken kann man es Ihnen nicht, es war ja schließlich das erste Mal und die Sache mit den Bienchen und Blümchen ist in solche karger Steppenlandschaft nun auch nicht so leicht zu erklären. Da beide auch der unteren Gesellschaftsschicht entstammten und die staatliche Sexualaufklärung ausschließlich in privater Hand lag (Ovid hatte da nahezu ein Monopol), war ihnen Eigenwissen nun auch nicht unbedingt zuzurechnen.

Mit Ach und Krach – ziemlich dämlich wäre es gewesen, wenn der Kleine dabei drauf gegangen wäre – haben sie es dann in traditioneller Arbeitsteilung geschafft. Sie gebar den Sohn Gottes und er hielt brav Händchen und fiel in Ohnmacht. Als er dann wieder aufwachte sah er den goldigen Sonnenschein – der Kopf umrahmt von einem Heiligenschein – in der Futterkrippe von Ochs und Esel liegen. Pech nur, dass es nicht seiner war.

Als dann der Anflug des ersten mordlüsternen Erwürgungswunsches sich wieder verzogen hatte, konnte er sich ein gequältes Lächeln ob des Kuckuckskindes herauswürgen. Ernähren, Aufziehen, Fördern und dann den Kerl schon mit 33 verlieren, ohne dass dieser je seinen Teil zur elterlichen Altersversorgung beigetragen hätte. Ganz zu schweigen, von der ganzen Besserwisserei, die man den ganzen Tag von jemandem entgegengeworfen bekommt, der die Antwort auf ALLES weiß: „Du Papa, dass mit der flachen Erde,…“ und man muss sich das dann erst Mal im Tempel oder in der Synagoge vorstellen: Schon auf der ersten Seite der Thora fallen ihm inhaltliche Fehler auf: König Salomon hieß eigentlich Adidas und die Sache mit Adam und Eva fand er einfach nur noch putzig.

Wie auch immer: Als die drei nun da vor sich hingammelten und nicht wussten wie sie die Zeit totschlagen sollten (nun gut mit vorletztem Verb hätte Joschka durchaus was anfangen können, aber im Gegensatz zu dem Oberguru hatte er durchaus Respekt vor den mosesischen Steintäfelchen), kamen urplötzlich aus dem Nichts ein paar Hirten angelaufen. Völlig verstört wie die Hühner, rannten die Kerle in die Hütte hinein und plapperten in prüderiestarken Zeiten etwas von nackten Engeln. Kein Wunder, dass die so drauf waren: Wer sich abends noch zu Ruhezeiten ein kleines Pfeifchen gönnt, dann so einen Megastern mit Schweif betrachtet und dann noch drum herum tanzende – ich betone noch einmal – nackte Engel beglotzt, welche noch irgendetwas von Heiland daherbrabbeln, der glaubt nun wirklich er solle den Drogenkonsum doch nur noch in eingeschränktem Maße fortführen.

Da man nun schon mal da war, brachte man dem Kindchen ein paar Schäfchen mit und konnte nun – lang lebe das Christentum – das erste Mal unter einem monotheistischen Schöpfer nicht-koscheres Fleisch essen. Was muss das ein Fest gewesen sein: Ein auf Holzkohle gegrilltes Medium-Kotelett, richtig schön blutig-saftig. Wunderbar. Weil man nun schon mal dabei war, schmiss man gleich noch Ochs und Esel (für den Rückweg waren die Geschlechter nun endlich gleichwertig) mit auf den Grill und lud noch die paar neu hinzugekommenen Gäste zum Festschmaus mit ein.
Die Neuen, waren zwei Autokraten aus dem Morgenland und den Quotenneger haben die beiden dann auch noch mitgebracht. Im Sinne der Gleichberechtigung durfte der sich dann auch König nennen. Wie die Hirten auch, schienen die Drei nun auch nicht ganz rauschfrei gelebt zu haben: Wieso sonst sollte man Sinnloserweise durch die halbe Welt tuckern (damals war die schon groß genug), nur um so einem kleinen Möchtegerngott die Ehre zu erweisen. Natürlich haben sie auch viel von dem Rauschzeug mitgebracht, ein bisschen Gold und ein paar weise Sprüche aber letztlich war das doch für alle beteiligten eine recht nutzlose Aktion. Ich persönliche frage mich natürlich, warum die denn als weise aufgezählt wurden – Immerhin waren die drei Kiffer ja für die baldigst folgenden Kindertötungen verantwortlich – aber letztlich bleibt dies nun im Ermessensspielraum der objektiven Geschichtsschreibung.
Mit ein paar Gloria in excelsis deo usw. hat man dann die Party beendet, noch ein bisschen Myrrhe geschnuppert und dann sich in Vorbereitung des weiten Heimweg – die Kiffer hatten da nun wirklich was vor sich – schlafen gelegt.

Resümierend kann man sagen, dass diese ganze Aktion relativ erfolgreich war. Ich mein außer einer Geschichtserwähnung als Sohn Gottes und einem Leinentuch ist von den 33jahren Judenkönigtum nicht viel geblieben, aber letztlich muss es doch ein recht erfülltes Leben gewesen sein mit Prostituierten und einer langhaarigen Ketzerhorde weinpanschend durch die Gegend zu ziehen und dann total sinnlos von einem dieser „ja“-sagenden Fähnchen im Wind an diese vielgötternden Kurzrockträger verraten zu werden. Zumindest hat sich dieses plappernde Rindvieh dann am nächsten Baum selbst aufgeknüpft und Jesus hat in seinen letzten Momenten noch mal Barbados (oder war es Barnabas?) kennen gelernt. Dass dann natürlich ausgerechnet der, welcher einen dreimal verleugnet hat, das höchste Glaubenskonstrukt für einen legt und sich dann selbst zum Papst erhöht, ist natürlich wenig glaubhaft. Erklärungen kann man sich allerdings weiter schenken, denn er hätte von alldem nichts gewusst, kann er nun wirklich nicht behaupten.

Der Kanzler

so ewig wie des Kaisers Karl
erdenkt er sich sein lenken
drum lässt er sich von Wahl zu Wahls
ein Amt vom Volke schenken

dämonisch über allem lacht
der Gute auf dem Throne
geht es ihm doch nur noch um die Macht
und um die goldne Krone

Attacken durch die Gegnerschaft
er wäre machtbetrunken
begegnet er mit frommer Kraft
und ächtet die Halunken

ne Frau nach oben, obendrei
nen Ossi ach wie schwächlich
fällt denn der Opposition nichts ein
nichts neues macht gebrechlich

auf Kirchhof, Mehrwertsteuersatz
kann er befriedigt sagen
für nächste Amtszeit, ach wie schön,
braucht er sich nicht mehr plagen

und wenn's auf Messers Schneide liegt
erklärt man vor dem Volke
es sei dies ein histor'scher Sieg
und dass man nur ihn wollte

kaum Stimmen scheinen blanker Hohn,
das kann er nicht verschweigen
doch weiß der fromme Staatsmann schon
sie werden wieder steigen

so sitzt er nun von Tag zu Tag
in seinem Amtsgebäude
und trifft ihn keine schlimme Plag
bringt er uns lang noch Freude

No.15

Guten Morgen! Es ist 8 Uhr 18 und der warme Kaffee durchschwimmt meine inneren Gedärme. Derselben drehen sich nahezu um, wenn ich der Ereignisse des letzten Monats gedenke. In Anbetracht des vergangenen katholischen Herzschmerzes schreit es ja förmlich nach einer neuen Spalte. Um ehrlich zu sein schrie es danach… zu lange schwieg ich aus Respekt vor den Vorgängen hinter dem violetten Vorhang der Kurie. Tragisch! Denn andere fanden ähnliche Ideen und verarbeiteten sie in Wort, Bild und Sprache. Nun denn, als Trittbrettfahrer springe ich sozusagen dann auf, wenn „papa mobile“ – der Zitterpapst – schon lange das Zeitliche gesegnet hat und die Ratzionalisierung der Kirche schon lange im Gang ist. Aus Respekt vor dem Altehrwürdigen sozusagen versuche ich den „Kath-Hype“ noch ein wenig zu verlängern. Länger noch als die Schlange der morbiden Heilsjünger, die sich entenformationsgleich aufreihten um die verkrüppelten Überreste des „Jahrhundertpapstes“ zu sehen. Doof nur: Der war da gar nicht mehr Papst. Sozusagen eine Thronvakanz, war mit dem Ableben des Mr. „ich habe den Kommunismus besiegt“ eingetreten und das was die Riege der „Freakatholiks“ bewunderte war nichts anderes als verwesende Fleischteile, derer man sich noch nicht getraute in ein Holzkistchen zu packen und irgendwo unter dem Petersdom zu verscharren. Alle Insignien und Persönlichkeiten des Papstes waren schon längst zerstört worden und das bischöfliche Konglomerat kratzte sich hinter dem Vorhang der Barmherzigkeit (Man glaubt gar nicht wie viele Vorhänge der Vatikan hat) Augen und Ohren aus. Sogar den Fischerring hatte man – trotz einer Bitte des deutschen Außenministers, derselben doch aus symbolischen Gründen sein zu lassen – zerbrochen. In Anbetracht der Tatsache, dass die katholische Kirche Besitz als bedingt abstoßend (vor allem dann wenn er sich nicht mehr rentiert) betrachtet war dieser Vorgang relativ schnell beendet. Die paar Prostituierten, welche noch aus den guten alten Zeiten übrig waren hat man ohne viel Aufsehen auf einem vatikanischen Hinterhof verbrannt. Mit der jahrhundertelangen Übung katholischer Feuerteufel müsste das ein relativ schneller und schmerzloser Vorgang gewesen sein.

Dann, nachdem man das kirchliche Trauerspiel mit exklusiv Interviews à la: „ich kenne den neuen Papst“ („Ach wie gut das niemand weiß wie das neue Päpstlein heißt“) extensiv in die Länge gezogen wurde und die Fernsehsender sich in Beweihräucherung des „papa polacka“ zu überbieten suchten. Sperrten sie die ganzen gewandeten Narrköpfe in einer kleinen Kapelle ein mit der Bitte einen von Ihnen als neuen Papst wieder rauszuschicken. Im Prinzip eine simple Sache. Man nimmt denjenigen, welcher am Besten über die eigenen Unzüchtigkeiten bescheid weiß, macht eine vorgezogene Pseudoabstimmung, jagt ein bisschen weißen Rauch am zweiten Tag durch den Kamin und fertig ist „Papa Ratzi“. Auch natürlich in Rücksicht auf die gebeutelte deutsche Seele, welche mal wieder einen großen deutschen Führer brauchte. Der letzte ist ja auch schon ein paar Jährchen her und mittlerweile gab es im außerdeutschen Ehrbereich schon wieder aufstrebendes Führungspotential. Nun denn, da isser, der „Ratzi“. Ein Papst wie ihn die Welt braucht, nicht so ein verkrüppelter Jammerlappen, welcher außer ein paar „urbi et gorbi“ nicht wirklich mehr viel zu bieten hatte. Nein ein echter Prachtkerl mit diabolischem Grinsen (Oh, so was sagt man glaub ich nicht), ein echtdeutsches Urgewächs, gerade von Statur, mit wachen braunen Augen – nur das Bärtchen fehlt noch, dann wär auch der letzte Deutsche überzeugt. „Ave Benedikt“, „Heil Dir Benni!“. Bene und Schluß.

No.14

Es gibt sicherlich viele Sorten von Dingen über die man schreiben kann. Die einen werden von manchen Menschen als wichtiger, von anderen Menschen als unwichtiger und von dem übrigbleibenden Rest als nicht diskussionswürdig betrachtet.

Ich persönlich zähle mich zu letztem Rest. Nun, nicht weil ich unbedingt einer Gruppe angehören möchte. Gruppen sind mir von Grund auf suspekt: Gruppen unterdrücken Meinungen, Gruppen fühlen sich zusammen stark und getrennt klein, Gruppen verlangen etwas von einem (gerade da ich doch nichts zu bieten habe) und vor allem Gruppenzugehörigkeit macht es möglich wegen eben derselben beleidigt, beschimpft oder geschlagen zu werden. Das mag für manche ganz toll klingen, ich persönlich bevorzuge es aber nicht für etwas geschlagen zu werden, woran ich eigentlich nicht glaube bzw. etwas was mich nur peripher tangiert. Aber um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Es ist meines Erachtens nichts, worüber es sich lohnt zu diskutieren. Nicht, weil ich ständig denke: „Hey, Leute, nehmt den Blödsinn nicht so ernst“ (gut, das denke ich auch manchmal), nicht weil ich glaube, dass wenn Menschen schon seit Urzeiten reden irgendwann mal alles gesagt sein muss (Obwohl ich hier sicherlich einen Punkt hätte…) und es ist auch nicht, weil ich denke, dass sowieso alles Scheiße ist und wir uns doch lieber silbern-glänzende Anzüge anziehen, uns Marshmallows in alle möglichen Körperöffnungen stopfen und dann kollektiv Massensuizid begehen sollten (wobei die Vorstellung doch ihre Reize hätte. Allerdings wäre so was tatsächlich weit im Voraus zu planen, denn so viele Marshmallows für so viele Menschen auf dem Planeten dauern wohl doch eine Weile bis sie produziert worden sind…). Nein, eigentlich finde ich diesen Planeten ganz nett so wie er ist und meine, wenn wir schon mal da sind, wir auch ne verdammt gute Zeit hier verbringen sollten – so was geht zwar ohne Alkohol, aber sein wir ehrlich… die Marshmallows-Idee wäre doch niemandem im nüchternen Zustand… ach egal, auch die Zeugen Jehovas können morgens um acht Spass haben, wenn sie wieder bei mir fröhlich vor der Tür stehen und ihren tiefgründigen Singsang anstimmen (Warum kommen die eigentlich nie abends? Ein Schlaflied hab ich ewig nicht mehr gehört). Wollen wir wetten, die machen das mit Absicht? Von wegen Religion und Spiritualität, Gott näher kommen und die ganze Geschichte… pff, wer’s glaubt. Hat denen eigentlich schon mal jemand zugehört? Irgendjemand hier, der schon mal ernsthaft mit ihnen geredet hat? So nach dem Motto:
- Hi ich bin Frank, geiles Kleid habt ihr da an… neue Sommermode bei C&A?
- Wir sind die Zeugen Jehovas…
- Ach echt? Und was genau hat der gemacht? Sich die Nase operiert und mit Kindern auf seiner Never-Never-Ranch gespielt?
- Hast du schon mal von Gott gehört?
- Klar hab ich, lasst mich einen Moment nachdenken, … war das nicht der Kerl mit dem weißen Rauschebart? Der hat doch in dem Film mit dem Schwarzen mitgespielt, wie hieß er doch gleich…“Einmal Himmel und zurück“,…
- Nun, wer einmal im Himmel ist, der kommt nicht mehr zurück,…
- Ach nein?
- Nein.
- Und warum nicht?
- Weil es dort das Paradies ist.
- Das Paradies? Ist das so was wie, Disneyland für Erwachsene?
- Es ist ein glückseliger Ort….
- Ach, dann ist es wohl eher so was wie die Wocheendranch von Kurt Cobain…
- Wie?
- Egal, ich hab mich oben wohl vertan… der mit der Reinkarnationsgeschichte war ein anderer… Buddha oder irgendsowas?
- Buddha?
- Naja, der Kerl, der so aussieht, als ob er für das Vorherphoto aus der Slimfast Werbung posiert hätte…
- Wir wollten Dir von Gott erzählen…
- Ich kenn ihn zwar jetzt nicht näher, aber warum nicht… scheint ein spannender Typ zu sein, wenn ihr morgens um acht Uhr bei Fremden Leuten klingelt um ihnen von ihm zu erzählen.
- Gott hat unsere Welt erschaffen.
- Ach tatsächlich und ich dachte das waren so ein paar Affen die um so einen Monolithen herumgesprungen sind… ach halt, der Monolith war vorher da… oder doch die Affen? Was meint ihr, wer war zuerst da? Der Affe oder der Monolith?
- Gott erschuf zuerst die Erde…
- Also der Monolith, hab ich’s nicht gesagt? Hab ich’s nicht gesagt? Na? Na?
- Dann erschuf er die Tiere
- Man, bin ich gut… dann die Affen, hab ich’s nicht gesagt?
- Und als Krone der Schöpfung den Menschen..
- Halt! Halt, soweit ich weiß ist der Mensch doch aus dem Affen entwachsen. Das kann ich beweisen, mein Chef sieht immer noch ein bisschen so aus… und wenn ich mein Kinn ganz weit nach vorne schiebe – etwa so – die Augen rausstiere und komische Laute von mir gebe, finde ich habe ich auch noch was Äffliches.
- Gott erschuf den Menschen…
- Ja, ja ist ja gut. Nehmt mir meine Illusionen. Bis eben konnte ich noch behaupten, dass ich in direkter Linie von King-Kong abstamme. Toll… aber hey, wenn der Affe und der Mensch getrennt entstanden sind, ist das dann so wie bei Planet der Affen? Haben die sich auch irgendwann mal bekriegt, bis der Mensch den Affen in den Urwald verbannt hat?
- Darüber schreibt die Bibel nichts…
- Die was? Ist das der Name von diesem bekiffen Alki von einem Regisseur, der diesen Müll produziert hat? Man, jedes mal, wenn ich nachts die Glotze anmache rennen so ein paar Affen über den Bildschirm und machen jede dopegeschwängerte Nacht zunichte, wer will schon jede Nacht auf ein paar Afghanen mit Affen über grüne Wiesen hüpfen? Wie sieht das dieser Kerl? Hat der sich jemals dazu geäußert?
- Wir trinken nicht und konsumieren keine Drogen…
- Oh, Moralapostel?
- Ganze zwölf gab es davon
- Wovon?... ach Apostel verstehe, ihr seid ja Riesenscherzbolde, witzig, haha. Kommt macht dass ihr euch verpisst,… ich hab’s versucht… ganz im Ernst, ich hab’s versucht, aber morgens um acht, nein, das geht nicht… beim nächsten Mal, bringt was zu essen mit – Pizza oder so – ein paar kühle Clausthaler und dann versuchen wir’s noch mal... in trauter Hunde mit dem Remake von Planet der Affen… das soll ja besser sein.

Das ist genau das was ich meine: Ein ernsthaftes Gespräch ist einfach unmöglich. Gott näher bringen, ihn verstehen, ihn lieben? Das kriege ich noch nicht mal bei meiner Freundin hin, wie soll ich da mit einen rauschebärtigen Pseudoallwisser unter eine Decke kommen. Außerdem - so bibelfest bin ich auch noch – weiß ich noch ganz genau, dass ich dem Kerl eine fehlende Rippe zu verdanken habe. Gut, es ist nicht so, dass ich nachtragend wäre. Aber wie würdet ihr euch fühlen, wenn euch der ultimative Multitasker (allerdings hab ich gehört, ein paar von diesen Schweizer Taschenmessern haben doch noch ein paar Funktionen mehr…) ein Körperteil rausreißt und daraus den Beginn von „Nein, ich habe Migräne“ produziert hat. Adam hatte definitiv keinen Organspendenausweis! Sauerei: Mit einem Riß, dass Paradies zerstört. Eine ewige Schuld durch das Essen des Apfels? Die ewige Erlösung würde ich sagen… mit nur einem Biss garantiert, dass man nicht auf ewig mit dieser evangelischen Furie friedlich, Blumenkränze im Haar, über blühende Wiesen springen muss. Es liegt in der Natur des Mannes körperliche Auseinandersetzungen zu suchen. Untereinander! Also war die einzige Lösung mehr zu produzieren – und zwar selbst, ohne noch mehr Körperteile zu verlieren.

Ja und nun endlich, als Gott mit Nietzsche starb können wir auch endlich Organspendenausweise tragen. Dass so was definitiv nicht noch einmal passiert. Wer weiß wer nach ihm kommt und was der dann produziert? Das genderlose Wesen? Wie so was aussieht wissen wir nur zu gut. Schuld daran ist die Partizipationsmöglichkeit für alle deutschen Bürger und der Fall der Mauer. Dann der Fall Kohl. Ergebnis: Angela Merkel.

Nur Alice Schwarzer kann da noch konkurrieren. Lang lebe die Diktatur, lang lebe die Sonderwirtschaftszone Ost, mit Mauer drum rum, mit genderlosen Wesen, mit eine Rippe mehr im Steakhouse und mit dem „bloß nicht damit aufhören womit man angefangen hat“.

No.13: Transportorientierter Stream of Consciousness – Die Bahn kommt!

Welch grausames Schicksal widerfährt beständig zugfahrenden Menschen. Komfort, Ruhe, Geschwindigkeit – Schlagworte, die das beschreiben könnten, was Bahnfahren ausmacht. Beschreiben könnten, wohlgemerkt! Bahnfahren hat nichts mit Entspannung zu tun – es ist anstrengend, herausfordernd und zwingt einen beständig die Ruhe zu bewahren.

Beginnen wir am Bahnsteig. Voller Erwartung soll ICE 1650 nach Frankfurt pünktlich eintreffen. Unerwartet aber wahr, er ist es – zumindest in Einbezug des akademischen Viertels, welche großzügig eine viertel Stunde hinzuschlägt. Nun denn, als Student muss man eben studentische Unannehmlichkeiten ertragen können. Schließlich möchte man als „Blutsauger“ der Gesellschaft nicht auch noch mit philistergleichen Ordnungstugenden für Unruhe sorgen. Davon hatten wir ’68 schon genug: Wer Steine wirft, wird heutzutage als selbstverantwortliches Individuum möglichst schnell abgestraft, ohne fairen Prozess (sofern man nicht das Glück besitzt an der gleichen Hautfarbe und Nationalität des Bruttonormaldeutschen teilzuhaben), denn schließlich muss sich die wehrhafte Demokratie jedweder terroristischen Aktion erwehren, und landet schließlich in einem geheimen Trakt der Vollzugsanstalt Bautzen.

Wieso eigentlich wird man für Dinge bestraft, welche selbst produziert wurden. Ist die Bahn nicht ein ehemalig staatliches Unternehmen? Wieso provoziert sie Handlungen, welche beinahe als antidemokratisch zu werten sind. Nun: Ich gehe wohl einfach davon aus, dass die Menschen nicht perfekt sind. Wer nicht perfekt ist, macht Fehler und deshalb ist die Bahn durch ihren personellen Dienstleistungszweig – Gott behüte diesen und den Sozialstaat – ebenfalls nicht perfekt. Auf dieser Annahme beruhend, in diesem Wissen kann man nun beruhigt den Zug besteigen und sich sicher sein, dass einen nichts aus der Ruhe bekommt.

Doch halt! Vermeintlich reservierter Tisch ist abhanden gekommen. Wohl abgeschraubt oder gar gestohlen. Nicht doch, wie konnte man auch so unflexibel sein und auf einen Tischplatz bestehen. Immerhin: Ein Fenster ist vorhanden und die Steckdose für jenes Wunderwerk menschlicher Schaffungskraft – den Laptop.

Nun denn, erst einmal entspannen, die Gedanken kreisen lassen, abwarten und dann, wenn die Ruhe, das innere Karma (unglücklicherweise noch nicht bei ebay ersteigerbar), wieder zurückgefunden hat in dieses unglückliche Konglomerat aus Körper, Seele und dem letzten Bisschen dessen, was früher Geist hieß und heute als absolut vorprogrammiert von der Elite des Wissens, den Hirnforschern, abgetan wird, weiter arbeiten.

Ich glaube daran und hoffe dies auch noch zukünftig tun zu können. Schließlich entmündigt man sich quasi selbst, wenn man sich die Fähigkeit abspricht einen freien Willen zu besitzen. Kann man sich eigentlich selbst jedweder Argumentationsmöglichkeit entziehen, sich in einer Diskussion über pro und kontra selbst ins Abseits manövrieren, wenn man sich selbst als für unfähig erklärt selbst definierte Meinung kund zu tun? Dies auch noch freiwillig (oh ich vergaß…).

Die Menschen sind ein komisches Völkchen. Vollziehen einen Freudentanz, nach der Feststellung der eigenen Entscheidungsfähigkeit und dann, sobald sie endlich so weit sind diese mit möglichst wenigen Zwängen auszuleben – Dank sei hier übrigens dem Liberalismus, solange dieser noch nicht begonnen hat sich selbst abzuschaffen – fällt ihnen nichts besseres ein als sich quasi wieder in eine mittelalterliche Ordnung zurückzuversetzen.

Eine Ordnung in der nicht mehr alles gottgewollt, sondern unbewusst selbstgewollt und unbeeinflussbar ist. Aber sinngemäß jede Herrschaftsform legitimiert dadurch, dass diese Person mit der Geburt auf Herrschaftsform eingestellt worden war. Programmierten Robotern gleich haben wir Menschen eine unglaubliche Freude daran uns selbst zu entmündigen. Doch was können wir dafür? Geben die Politiker uns nicht diese Richtlinie vor, wird nicht „outgesourced“, wird nicht privatisiert, Entscheidungsbefugnis abgegeben in der beständigen Hoffnung nicht dafür verantwortlich gemacht zu werden, was schlecht für die eigene Karriere ist.

Wir sind ein spaßiges Völkchen! Ebenso wie das liebevolle Ehepaar, welches mich in Träume vertieft aus meiner Muße hinausreißt und im beständigen Streit sich auf ihre erste Zugreise seit langem freut. Freude, welch Wonne! Ich bin geliefert, ausgeliefert, einer älteren Brigade, welche den grenzenlosen Hass auf den anderen nur in Worte und nicht in Taten fassen kann.

Ein verbales Gemetzel entbrennt über den Sitzplatz, den Zugfahrplan, den Kaffee, den Tisch, das Aussteigegleis, die Richtung der Toilette, den Besuch des Bordbistros und schließlich – ich befürchtete schon sie könnte fehlen – die ungerechte Welt. Entnervt muss ich meine Lektüre über den Kommunitarismus zur Seite legen. Mein Gott, gemeinsame Wertvorstellungen, welche unsere Gesellschaft erhalten soll. Welch „Gutmensch“ dieser Etzioni: Er ist wohl niemals Zug gefahren.

Recht hat er, wenn er den Werteverfall unserer Gesellschaft beklagt, wenn er sieht, wie wir uns quasi selbst in die Anarchie treiben, aber soll er uns doch lassen. Was ein Vorzug wäre es für die Gesellschaft nicht mehr Zug fahren zu können, weil die meisten derselben vollgesprüht in irgendwelchen Gräben liegen – umgeschmissen, zerstört von gemeingefährlichen plündernden Banden, die die glorreichen Ideale unserer Gesellschaft gestern erst verbrannt haben um sich die Hände zu wärmen.

Uns wird es besser gehen, wenn wir erst einmal aus unserem sozialdemokratischen Schlummertraum erwachen, die Böswilligkeit als geistesfördernd anerkennen und endlich damit beginnen uns aus der „autonomen Heerde“ zu lösen und in grenzenlos sadistischer Manier unsere und fremde Moralvorstellungen zu zerstümmeln. Am Ende dann springen wir auf, revoltieren, verlassen das Abteil um uns, gegenüber einem Schwächeren, den Sitz mit Tisch zu erkämpfen, das kurzfristige Glück des Zustandes genießen, bis der Nächste, Stärkere uns von unserem Platz zu vertreiben sucht.

Haben wir nicht viel mehr von diesem kurzen einen Moment, als von der ganzen langen Reise einem alten Ehepaar gegenüber, welches wir am liebsten verlassen, wenn nicht gar vernichten möchten. Gestehen wir uns ein, dass Böswilligkeit unser innerster Trieb ist, Macht ausleben zu können und endlich den Zustand zu erreichen – einen Sitz mit Tisch – welcher uns in gnadenlosem Selbstbetrug von der Obrigkeit, in diesem Fall die Bahn, versprochen wurde.

Man wird radikal, wenn man Bahn fährt, man wird unberechenbar und doch gibt es immer noch Menschen, die einem helfen, tatsächlich helfen. In jenem imaginären virtuellen Zustand der Anarchie, in welchem Mann Menschen, Gesellschaften, Ordnungen, Welten zerreißt, vergisst man schnell die Bindungen, welche das Leben lebenswert machen lassen. Die Sicherheit nicht immer blankem Machtstreben gegenüber zu stehen erfüllt einen mit Dankbarkeit, jenes Zerrbild unserer Umgebung, verschwimmt in gutmütiger Hilfsleistung des Zugpersonals, welches einem aus dem Klammergriff des verbalen Perpetuum mobile der beiden Alten entreißt und uns hinführt zu einem neuen Platz in der Welt. Ruhig, nachdem die vorherig Sitzenden ausgestiegen sind, kann ich Beine und Geist ausstrecken, geruhsam den Laptop anschalten, schreiben und den Genuss des Holztisches, die Freiheit des Raumes empfinden. Bahnfahren kann so angenehm sein.

No.12

Gott sei Dank, es ist ein Tag wie jeder anderer. Obwohl von manch Konservativem als Selbstverständlichkeit betrachtet, ist es dies wahrlich nicht mehr. In Zeiten des Terrorismus, der biblischen Rachewellen und der Haushaltslöcher erwacht man jeden Tag auf’s Neue immer mit einem mulmigen Gefühl im Hinterkopf: „Was könnte heute wieder passieren?“ „Treiben mich moralische Verpflichtungen dazu wieder Gelder zu spenden trotz der klamm gewordenen eigenen Kasse?“. Muss man gar befürchten, dass weitere Plagen das Land überziehen wider Dem, was momentan existiert? Wir hatten schon unsere eigene kleine Flutwelle. Vielleicht um einen weiteren närrisch-gläubigen Staatsführer auf dieser Welt zu verhindern, oder vielleicht nur ein genial ausgeklügelter Schachzug des Kanzelpriesters, des Weltstaatsmannes, des bekennenden Pazifisten, des lupenreinen Demokraten… was bleibt außer dem satanischen Lachen, mit welchem er das Land in mancher Bierrede überschüttete? Schröders Katze stirbt mehrere Tode und landet doch immer wieder auf ihren Füßen. 2002 Die Flut und 2006 Fußball und Merkel? Wird er gar zum ewigen Kanzler, Helmut Kohl gleich, welcher so massig wurde, dass nur ein verordnetes Slim-Fast für den deutschen Haushalt ihn vom Thron schieben konnte. Ja hat es das? Hat der den Thron nicht gleich – festklebend an seiner Gestalt, dem Lichtkanzler – mitgenommen. Wer war Deutschland nach 1998? Ein gescheiterter New Economy-Spieler? Ein irakischer Kriegsdienstverweigerer? Ein auf Mitbestimmung drängender UNO-Polterer? Oder einfach nur ein Staat, der sich übernommen hat? Schon Napoleon III. stürzte über seine aggressive Außenpolitik, mit welcher er von der inneren desolaten Lage ablenken wollte. Passiert uns Deutschen gleiches? Isolieren wir uns derart, treiben wir es wieder solchermaßen auf die Spitze, dass erst amerikanische Panzer durch das Brandenburger Tor fahren müssen um uns wieder zur Vernunft zu bringen. Ach die liebe Vernunft! Wo ist sie hin? Weltpolitik scheint ohne sie zu funktionieren. Während oben polternd, tobend, Applaus einheischend, der Staatsmann, der hitlersche Redner, steht, müssen im Hintergrund Diplomatenheere die versalzene Suppe vor den Gedemütigten auslöffeln. Sind sie die neuen ABM der postmodernen Staatenwelt? Können sie das retten, was man in jahrelanger Kleinarbeit – der weißen Taube folgend – aufgebaut hatte? Oder hat Saddam Hussein mit einer seiner zelebrierenden Feuersalven den armen Vogel schon vom Himmel geholt? Wir wissen es nicht und tun gut daran es nicht zu hinterfragen. Nein, nachfragen sollte man in gar keinem Fall. Bei all zu vielem könnte uns die Antwort verstören, gar zu unangemessenen Handlungen treiben – gerade wenn es um jene Dinge geht, von denen wir meinen dass diese uns anderen gegenüber privilegiert (z.B. unsere fantastisch-föderalistische Staatsform). Wenn aber nun auch noch Staatsdiener dazu verdonnert werden ihre undeklarierten Zusatzverdienste aufdecken zu müssen ist es wohl ohnehin vorbei mit schmalspurigem Bekenntnis zur Repräsentationsdemokratie. Immerhin, man muss es ihnen eingestehen: Die Repräsentation des Volkes haben sie in all den um sie schwimmenden Millionen, Lobbyisten und mephistotelischen Rhetorikern, welche sie von ihren jeweiligen ideologisch angehauchten Utopiegebilden überzeugen wollen, nicht vergessen. Nein. Nur ihre Interpretation des völkischen stimmt nicht mit dem Gemeinsinn über demokratische Wahlerwartungen überein. Nicht das Volk welches wählte gilt als eigentliches zu Repräsentierendes, sondern vielmehr das Volk, welches digitalisiertes Einheitsmünzgut allmonatlich auf die meist in Luxemburg präferierten Konten – fein säuberlich als jüdisches Erbkonto zum Schutz vor nationalsozialistischem Volkszugriff deklariert – überweist. Immerhin: Besagtes Volk steht ganz vorne und um genau zu sein, volkt im Anschluss nicht mehr viel: Eigentlich nur noch ein kurzes Wagen, welches darüber aufklärt, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur sich selbst exportiert, sondern auch fähig ist mehrradbetriebene Vehikel in defizitärem Gutglauben auf den amerikanischen Markt zu werfen. Nun denn; wir wollen nachsichtig sein: der Büßende hat seine Pflicht getan, die bösen Bundesbuben öffentlich an den Pranger gestellt und oppositionelle Samariter eilen herbei um jene fälschlich Agierenden in den Schutz zu nehmen: Man solle es mit der Kritik nicht übertreiben, gar die demokratische Grundfestung in Gefahr sehen, sondern sich auf gutdeutsche Werte besinnen und einfach mal die Klappe halten, fein weiter zahlen und hoffen, dass irgendwann einmal alles wieder gut wird. Warum auch nicht, schließlich sind wir das ja gewohnt. Als vor ein paar Jahren christdemokratische Kofferträger aus der dunkelgrauen Masse der anonymen Nachkriegsyuppies herausgezogen und mit der Spendensünde gebrandmarkt wurde hielt sich die sozialdemokratische Perversion auch dezent zurück den biblischen Sündenfall auszurufen und die vom richtigen Glauben Abgefallenen standesgemäß auf öffentlichen Plätzen zu verbrennen. Vielleicht hatte man ja Angst vor den eigenen kleinen Kellerleichen oder man wollte es mit der katholischen Kirche halten: Spenden, Ablass und Ähnliches sind notwendige Übel einer Gesellschaft die daran glaubt mit Geld alles kaufen zu können. Nun denn, liebe Mitbürger wenn sich nun unsere Welt so verhält wie einst zu Sodom und Gomorras Zeiten, tun wir dann nicht gut daran uns anzupassen, uns quasi selbst zu verderben, oder sollten wir uns nicht lieber besinnen und zu altchristlichen Welten - Familienwahlrecht wäre da vielleicht ein Anfang – zurückkehren, damit nicht jene schon zu anfangs bedachten Flutwellen auch über europäisches Besserland hinabstürzen werden. War nicht jene Stadt, welche nahezu ausgelöscht tagtäglich über bundesdeutsche Bildschirme flimmerte eine Hochburg der sexuellen Unzüchtigkeit? Ich wage es kaum zu Fragen – auch mich treffen ab und an moralisch-engzwängende Bedenken – aber wie viele der vermissten Deutschtouristen waren gar auf kinderunfreundlichen Abenteuertouren im thailändischen Busch unterwegs? Geschieht es nicht dem ein oder anderen Höhenbesteiger ganz recht hinabgespült worden zu sein in das Grab der ewigen Sünder, das teuflische Höllenfeuer welches er einem jeden seiner nächtlichen Besuche im Vorfeld des durchwässerten Gottesgrußes bereitet hatte? Ich beanspruche nicht diese Frage beantworten zu können. Ab einem gewissen Punkt enden die Grenzen des guten Geschmacks und man möchte nicht die elendig Verstorbenen über den Einheitskamm des Vorurteils hinwegscheren. Nur ein großformatiges Magazin wie der Spiegel kann es sich erlauben über alle Grenzen hinweg dem Zynismus zu huldigen, doppelfrontal die Todeswelle zur eigenen Verkaufszahlenssteigerung zu nutzen und einen Jeden seines spendablen Mitgefühls zu erinnern, uns drei Euro als gute Tat zu entlocken um nachlesen zu können, welch personifizierende Einheitssülze deutscher Starjournalismus zur Allgemeinbefriedigung an nachbarschaftlichen Kiosken zu verbreiten sucht.
Wie auch immer: Es gibt nun einmal solche Tage, an denen möchte man sich einfach wieder umdrehen, die Augen schließen und hoffen, dass der nächste Tag etwas Besseres bringt. Vielleicht den Weltfrieden, den Lottoscheck oder einfach nur die Erkenntnis, dass man sich genauso gut auch über sich selbst sorgen machen kann, bevor man diese auf alles andere verschwendet.

No.11

Einen wunderschönen Guten Abend, aus dem bitterkalten Leipzig. Für diejenigen unter euch, welche nicht wissen wo Leipzig liegt, hier noch mal eine kleine geo-historische Einführung. Nun vielleicht passt die Bezeichnung Einlauf besser, schließlich solltet ihr nicht zu viel erwarten. Aber um bei den Wurzeln anzufangen: Vor langer, langer Zeit, als es auf diesem Fleckchen Erden noch keine Wurzeln gab, ja noch nicht einmal Erde kam es zustande, dass von irgendwo her “ und irgendwo kann heutzutage so ziemlich genau bestimmt werde (laut Recherche ist dies der Name einer deutschen Ortschaft) “ ein Lichtchen “ verdammte Sprücheklopferei“ Nein, ein Flämmchen wohl eher daherkam. Das war der Mephisto höchstpersönlich. Wie? Mephisto ist kein Begriff? na ja, im Volksmund ist er auch mit Beelzebub bekannt. Um das mal bildlich zu verdeutlichen. In Baden-Württemberg (das ist links neben Außerdeutschland und südlich vom hesslichen Koch) da gibt es grade einen Machtwechsel und je nachdem, wer von den beiden Bewerbern den Ministerpräsidenten beerbt (Annette "the swan" Schavan oder Dr. Oettinger) wird wohl neuer Ministerpräsident. Mal abgesehen von dem übllichen Gemeuchel, wird wohl der jeweilige Verlierer prägnant den Spruch sich zu eigen machen können: "Das ist ja den Teufel mit dem Beelzebub austreiben." Wer jetzt noch wissen will, wie die gefürchtetste Märchenfigur Deutschlands (Nein, das ist nicht Dieter Bohlen) aussieht, der brauch sich nur das Bild eines Geisbockes aus dem Internet ziehen und ein leicht transparentes Portraitphoto der bekanntesten Quotenostdeutschen im Bundestag darüber legen. Mal abgesehen von der Frisur dürfte das so ziemlich genau hinkommen... nach der Sixt-Werbung, hat der Teufel nämlich seinen Friseur ge"feuert"(hoho - Schenkelklopfer) und sich einen neuen geholt. Aus gut informierten Kreisen hört man aber, dass derselbe auch nicht sonderliche Qualitäten aufweist. Mal abgesehen von einer Ganzkörperenthaarung, schlug dieser nämlich einen Wilhelminischen Oberlippenbart vor und wer den Teufel kennt, weiß, dass in Kombination mit seiner schwulstigen Oberlippe nichts schlimmer ist als ein solcher Gesichtsschmuck. Mal abgesehen von der Tatsache, dass der liebe Dr. Mengele es liebte während seiner Kztrationsphasen an seinem Bärtchen zu kauen und die Haare runterzuschlucken, welches zu einem lebensgefährlichen Haarknäuel (ja das mit dem Kzen spielen - ok, der Witz ist orlowskimäßig ausgelutscht) in der Darmgegend führte und ihn wohl dahingerafft hätte, wäre ihm nicht auf halber Strecke Richtung Heimat eingefallen, dass a) Deutschland nicht am Atlantik liegt und b) er gar nicht schwimmen konnte. Die Gefahr, dass der Teufel ein ähnliches Leiden davontragen hätte können ist nun gar nicht mal so abwegig. Seit nämlich mit einem Schlag (das war so um 1945 rum) eine ganze Brigade Neuankömmlinge den Laden da unten übernommen haben, ist der Teufel nichts weiter als eine Repräsentativfigur, welche ab und an mal seine Hufen schwingt und die Liberalisierung des Himmels fordert: "die Pforte muss weg". Dass man da Mal aus Langeweile an seinem Bärtchen kaut ist nun wirklich nichts Außergewöhnliches. Und seien wir ehrlich, diese ganzen Kommunisten, die sich da unten versammelt haben, die haben es auch nicht richtig gebacken gekriegt. Als dass sie einfach alle auf einmal nach unten gingen ham se sich einer nach dem anderen mit Volks- und rosa Pomps in die Unterwelt abgeseilt. Oh mein Gott, wie die nerven konnten: "Alle Menschen sind gleich", "Proletarier aller Länder vereinigt euch" usw. Da war das nun wirklich nur eine Frage der Zeit, bis selbst der Teufel es nicht mehr aushielt und "Honecker sie sind raus" brüllte. Aber mal abgesehen von der Tatsache, dass es damals einige Missverständnisse gab (Von wegen der zweite Weltkrieg wäre die größte deutsche Niederlage - ein Scheiß, ich mein, es war zwar blöd, dass wir dafür nen Weltkrieg gebraucht haben, aber dass seit 45 niemand mehr daran denkt Österreich an Deutschland anzugliedern ... Ich sag's euch: noch ein Weltkrieg und dann sind wir auch Bayern los!) sollte ich wieder zu meinem eigentlichen Thema zurückkommen. Der Genese der Weltmetropole Leipzig: Also, nachdem der Teufel damals gelandet war, hat er sich gedacht "oh schönes Fleckchen Erde verweile doch", hat so ne bescheuerte Cocktailbar aufgemacht, die "Auerbachs Keller" genannt und ein paar "bloody mary" in sich gegossen. Ab und an ist mal so ein Spießer mit Flügeln vorbeigekommen, aber letztlich war der Schuppen nach drei Monaten pleite, weil Gott sich geweigert hat den Menschen zu erfinden. Das muss man sich vorstellen wie bei BMW, die erfinden das Erdgasauto, loben sich selbst bis in den Himmel (gut beim Teufel war's die Hölle) und stampfen nach ein paar Wochen ihr grandioses Konzept wieder ein, weil sie vergessen haben, dass man in Deutschland zum dem Zeitpunkt nirgends Erdgas tanken konnte. Jetzt, wo alle Welt mit den planetarischen Fürzen durch die Pampa brettert, machen sie individualistisch weiter, produzieren dass Wasserstoffauto, bis sie merken, dass man die Dinger nun mal nicht an Rhein und Ruhr auftanken kann. Naja, verübeln kann man es ihnen nicht. Der Standort schlägt sich nun mal - und das mit voller Kraft - auf's Gemüt - BAYRISCHE Motorenwerke sag ich da nur. Aber ich schweife ab. Nachdem der Teufel dass Ding loswerden musste, hat er's für'n Appel und en Ei an Maria verkauft. Die hat dann die Bude auf den Kopf gestellt, nen Edelpuff draus gemacht und Gott dazu gebracht - bei solchen zwei schlagkräftigen Argumenten, kein Wunder - nun endlich den Mensch auf die Welt zu werfen. Dass dabei so ein kleiner religiöser Spinner rausgekommen ist (Zum Glück war Samenraub damals noch ein Fremdwort) und der meinte die Welt verbessern müssen (berühmt für seine Sprüche "Schaut alle her, ich kann übers Wasser laufen" und "guck mal Mama, ich häng hier ganz ohne mich festzuhalten") war halt ein unangenehmer Nebeneffekt, aber der Laden war dann wirklich den ganzen Aufwand wert. Ich mein, das Moulin Rouge ist dagegen nur ein beschissenes Provinzlokal. Da flog die Kuh (ne, die ist nur bei dem Hindus heilig und wenn die einem trotzdem doof kommen, schießt man eben ein kurzes "Hindu kusch" über die Lippen und die fangen an am Rad zu drehen - wer mal in Tibet war (Buddhisten sind ja fast das gleiche), weiß, dass wenn einer von denen mal anfängt an seinen Gebetsrollen zu drehen, er mindestens ein paar Rosenkränze beschäftigt ist), da tanzte der BÄr, da steppte der Papst im Kettenhemd (Nun gut, dass kann der heute auch nicht mehr. Aber für sein Alter ist der noch recht fit. Ich mein: ständig in Bewegung und so...). Irgendwann ham se dann drumherum ne Stadt gebaut, die nach der großen sexuellen Auswahl benannt (Leib zig) und schwupps da war se. Ende aus.

No.9

Einen wunderschönen guten Morgen aus dem Sachsenländle…
Lang, lang ist es her, dass ich wohl formulierten bullshit von mir gegeben habe. Jetzt, wo ich auf dem Sprung zurück nach Bensheim bin, dachte ich fasse ich meine letzten zwei Wochen gesellschaftskritisch zusammen und hoffe auf eine moralische Besserung der Zustände… und wenn ich von Zuständen spreche, dann meine ich Zustände!!
Man könnte ja meinen eine Stadt würde sich um ihre Bürger kümmern. Gerade die Armen und Bedürftigen, brauchen jemand der sie an der Hand nimmt und ihnen zeigt, wir sind für dich da – wir die verdammte Gesellschaft, die aus dir ein psychisches Frack, eine abgetakelte Alkoholfregatte ( einen Euro für den, der mir sagen kann, aus welchem Komik das Schimpfwort „abgetakelte Fregatte“ kommt) gemacht hat.
Aber nein, Leipzig schert sich einen Dreck, diese Menschen zweiter Klasse, diejenigen die selbst zu arm sind um sich Eier für die Montagsdemonstrationen zu kaufen. Die finanzielle Unterstützung sagt ihr? Ihr wisst doch selbst, was Alkohol heutzutage kostet. Nein, ein bisschen Bruderliebe – ein eiskaltes Becks oder eine der anderen vielen Köstlichkeiten, die ursprünglich aus Deutschland stammen, aber von raffgierigen ausländischen Großkonzernen aufgekauft wurden (ach scheiß der Hund drauf) – wären das mindeste was man einem armen Mitbürger zukommen lassen könnte.
Zu Recht sage ich euch, hat sich der Dippelbruder bei diesem orangefarbenen Lackhosenträger beschwert. Aber warum nur verbal? Warum hat er sich nicht auch mit der Faust seine Rechte erkämpft? Ich hätte weggeschaut, weggeschaut wie die lieben Mitbürger, welche kleine arme World-Vision-Kinder mit Geldern versorgen, nur damit diese nicht an Hunger sondern an Aids sterben.
Richtig ist, dass dieser arme kleine Mann – und natürlich trifft es immer den armen kleinen Mann – sich gewehrt hat. Gewehrt, gegen die Wegnahme des Inhaltes eines einfachen Mülleimers. Mit den Worten „hey, das ist mein Mittagessen“ hat er alles gesagt und den Stadtarbeiter richtigerweise in die Flucht geschlagen…
Aber wenn wir schon beim Schlagen sind. Diese World Vision Leute gehört wirklich die Seele aus dem Leib geschlagen. Bekomme ich doch ständig Post von denen mit kleinen Kindern fragend:
„Warum darf ich das Wasser nicht trinken?“ (ganz klar, weil’s verseucht ist)
„Warum werde ich nie satt?“ (weil du net genug isst)
„Warum habe ich nur ein altes Kleid?“ (eins reicht, finde ich)
„Warum gehe ich nicht zur Schule?“ (weil du zu doof bist)
Die Antworten in den Klammern waren meine ersten Gedanken, bis, ja bis ich herausgefunden hatte woran es lag:
Das kleine Mädel war Modell – sie darf nicht zu viel essen, weil sie sonst fett wird und keine fetten Werbeschecks von World Vision kassiert, hat nur ein altes Kleid, weil World Vision einen auf „wir sammeln Geld für uns … ach auch für ein paar arme Kinder“ macht, geht nicht zur Schule, weil der Einjahresvertrag sie voll auslastet und man für eine schwarze Modellkarriere keinen Grips braucht, sondern lediglich mal eine verdammt blutige Beschneidung und ein Ausreiseticket (wenn man dann bekannt ist, kann man ein paar Bücher über Blumen in der Wüste schreiben und das ganze mit ein paar Stangen Geld halbwegs verkraften) und warum sie das Wasser net trinken darf ist eigentlich auch klar. Der Vertrag läuft nur mit Vittel nicht mit Bonaqua….
Wie auch immer, ich werde ausfallend und gemein. Das wollte ich nicht. Ich frage mich nur, wo World Vision das Geld für die viele Werbung hernimmt. Wenn ses pressen, bräuchten sie die Werbung net und wenn ses über Spenden finanzieren: „shame on you!“…
Ach egal, wo war ich ja: zurück zu Jesus.
Wie in jeder größeren Stadt, erwarten einen des öfteren überraschende Standangebote – mal abgesehen von den panflötenspielenden Latinoschwuchtel, den „rettet die grün-weiß-gestreiften Wild-Amazonas Gürtelhornelefanten“-Aktivisten, den heruntergekommen „stehst du auf billige Videos“-Videoringagenten und den „finde den Weg zu Vishnu“-Gurugockeln, findet man ab und an doch was interessantes. So ging es mir gestern vorgestern oder an einem anderen Tag an dem ich dazu verdammt war die Innenstadt zu durchqueren: „Jesus lebt“ musste ich auf einem Schild lesen – „ach echt?“, dachte ich, „war der nicht schon 2000 Jahre tot?“, „haben se den nicht am Kreuz genagelt und dann die Jungfrauen um ihn geweint?“. Ja richtig, der Kerl der Steine ins Rollen brachte, aus Wasser Wein machte – den hätt ich gern gekannt – und ständig mit irgendwelche Verschwörungstheorien aufwartete („einer von euch wird mich verraten haben, bevor der Hahn am Morgen drei Mal kräht“ oder so ähnlich). Der Kerl soll noch leben. Mal abgesehen von seinem grausamen Tod (nachzusehen in dem realitätsnahen Dokumentarfilm „Passion of the bitches Teil V“ äh.. ich mein „Passion Christi“) hätte der sich doch nie 2000 Jahre gehalten. Nun gut, ihm wurde nach CIA-Methode der Prozess gemacht ( „er besitzt definitiv Massenvernichtungswaffen“), dem eigenen Volk unter rechtlich einwandfreien Kriterien übergeben („Hey, Saddam – du auch hier?“) und dann verschwindet er noch auf kuriosen und relativ unglaublichen Wegen („ja klar,… und dann ist er auferstanden“).. wer weiß, vielleicht wurde da ein bisschen gedichtet. Ist wohl bei den damaligen Biographen nicht anders als bei den heutigen. Vielleicht hat er ja überlebt, irgendwann versucht mit „meine Memoiren“ den dicken Reibbach zu machen – ist aber in den Spätantiken Wirren untergegangen, vor allem deshalb, weil sie sich nicht einigen konnten, ob Jesus nun ein und der Selbe wie Gott, oder sein Sohn ist. Da wird es schon schwierig die Glaubwürdigkeit des Autors nachzuweisen, vor allem wenn er angeblich schon 400 Jahre tot ist. Es ist ganz gut möglich, dass enthaltsame Menschen über 2000 Jahre alt werden – ich mein, alle Mönche haben weiße Haare und die, welche übern Jordan hüpfen, waren bestimmt in einem österreichischen Jesuitenkolleg (ja, ihr wisst was ich meine: ficki, ficki auf dem Altar“). Richtig, eine altbekannte 68er Weisheit dürfte dies noch bestätigen: Unter den Talaren, kein Fick seit tausend Jahren“ – ok wir wandern unter die Gürtellinie. Aber plötzlich wusste ich dass es nur so sein konnte. „nobody fucks with Jesus man“; Jesus hat einen lilanen Ganzkörperanzug an und wurde wegen Geschichten mit achtjährigen erst vor kurzem verknackt. Jetzt hängt der in so einer verwichsten Bowlingbahn rum und sucht sich seine Jünger aus einer Gruppe von Losern zusammen. Es wird Zeit, ich muss los und schließe mit den Worten eines christlichen Türstehers – was zwar nicht direkt zum Thema passt, aber beweist, dass auch Muskelklötze im solarium Zeit zum Bibellesen haben:
„du bist es nicht würdig, dass du eintritts unter mein Dach und sprichst du noch ein Wort, wirst du nie wieder gesund“.

Und vergesst nicht: Nichts ist ernst, außer man heißt so – bis dann J