L.: Einen wunderschönen Guten Morgen, verehrte Mrs, ich wünsche wohl geruht zu haben
M.: Oh das habe ich tatsächlich. Auch wenn ich die meiste Zeit der Nacht damit verbrachte nicht zu schlafen. Man sollte eben nie seine Zeit für die Dinge opfern, die für diese bestimmt ist…
L.: Mit welchen Tätigkeiten denn sonst lassen sich Nächte verbringen? Ich verbringe immer meine Nächte mit Schlafen, ich könnte nicht ohne.
M.: Oh das ist ein Fehler.
L.: Nein, ganz und gar nicht! Ein Fehler wäre es wach zu bleiben. Es ist ganz und gar notwendig zu schlafen.
M.: Doch nicht etwa aus Angst vor dem frühen Tod?
L.: Aber sicher.
M.: Wie bürgerlich. Es ziemt sich nicht für eine Person wie Sie, sich den körperlichen Gelüsten hinzugeben und dem erschöpften Körper unverdiente Ruhe zu schenken. Schlafen kann man wenn man tot ist. Je früher, desto schicksalhafter und desto länger redet die Gesellschaft. Ist es nicht das einzige Ziel im Leben möglichst so zu sterben, dass die Gesellschaft möglichst lange über einen redet?
L.: Mag sein, zumindest gehört es zu der Art von Zielen, denen ich mich leichtsinnig hingeben würde, wenn mir nichts Besseres einfiele. Aber sie irren liebste Mrs. wenn sie glauben ich würde mich aus Erschöpfung zum Schlafen legen. Nein, nichts liegt mir ferner. Man sollte öfters Schlafen, als es der Körper fordert. Es wäre gar schrecklich in einem beobachteten Moment von demselben in die Knie gezwungen zu werden. Ich meide jegliche Auseinandersetzungen. Allein die Aussicht verlieren zu können erscheint mir unangemessen. Das einzige was Menschen zeigen, die vorgeben verlieren zu können, ist dass sie sich mit ihrer Mittelmäßigkeit abgefunden haben…
M.: … was gerade ihren Charme ausmacht. Ich bevorzuge nichts so sehr wie Männer ohne Profil. Es ist ausschließlich die Sache der Frauen dieses zu formen. Aber klären sie mich auf: Wenn nicht Erschöpfung sie niederzwingt, welche Leichtsinnigkeit verführt sie dann zu solcher Handlung?
L.: Die Langeweile liebste Mrs. Gegen die Langeweile hilft nur Schlaf oder Gesellschaft. Doch da es die unfreundliche Eigenschaft der Letzten ist in meiner Anwesenheit häufig selbst jenes Grundübel des Lebens zu produzieren, muss ich die Zeit mit anderer sinnloser Tätigkeit verbringen. Der Schlaf erscheint mir zwar nicht gänzlich sinnlos, aber er geht schneller vorbei.
M.: Ein hervorragendes Argument um die eigene Trägheit zu begründen. Das bringt mich dazu sie für einen Intellektuellen zu halten, mein lieber Lord. Leider ist es die gewöhnliche Eigenschaft von Intellektuellen ihre eigene Handlungsweise über die langweilige Gesellschaft zu begründen. Das macht sie geradezu langweilig. Womöglich ist dies der Grund, warum sich Intellektuelle nie ganz von der Gesellschaft abheben können. Ihnen fehlt der Esprit der Innovativität.
L.: Was schert mich meine Innovativität? Nichts ist uninteressanter als die eigene Erneuerung. Hierfür gibt das Leben einem nicht genug Zeit. Ohnehin halte ich deren Erfolgsaussichten für begrenzt.
M.: Erfolg ist nicht das Ziel des Lebens, schon gar nicht wenn es um die eigene Erneuerung geht. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die sich verbessern. Wer aus Fehlern lernt, vergeudet zu viel Zeit um über dieselben nachzudenken…
L.: … und nimmt sich die Chance einen Fehler ein weiteres Mal begehen zu können.
M.: Ich bin erstaunt, dass sie ausnahmsweise einmal meiner Meinung sind. Schade nur, dass ich daran glauben muss, sie taten dies aus Opportunitätsgründen. Ich verabscheue Menschen, die einem zustimmen. Sie nehmen einem die Gelegenheit sich mit ihnen streiten zu können.
L.: Verzeiht, ihre Schönheit trieb mir die Ranken der Harmonie in meine geschwärzte Seele. Es war nicht meine Absicht ihnen zuzustimmen. Um ehrlich zu sein versuche ich das Zustimmen zu vermeiden. Es ziemt sich nicht keine andere Meinung zu haben.
M.: Oh, aber es ziemt sich durchaus keine Meinung zu haben.
L.: Das ist etwas anderes. Wer keine Meinung hat, wird nie die der anderen annehmen.
M.: Ich sehe begründeten Anlass ihnen widersprechen zu müssen. Gerade mit keiner Meinung ist die Gefahr am größten das zu glauben was einem erzählt wird. Vor allem dann, wenn der andere einen mit Argumenten zu überzeugen versucht.
L.: Argumente sind nur ein weiteres Merkmal dafür, dass man keine Ahnung hat. Wer die Antwort weiß braucht sich nicht bemühen andere davon zu überzeugen.
M.: Es sei denn die Person leidet unter Sendungsbewusstsein.
L.: Dann kennt sie die Antwort nicht. Menschen mit Sendungsbewusstsein glauben die Wahrheit gefunden zu haben und verbreiten sie nur deshalb, weil sie eine Bestätigung dafür erhalten möchten.
M.: …Oder weil sie Ansehen erlangen möchten…
L.: Das ist nahezu das Gleiche.
M.: Mir scheint ihre Begründung paradox. Wie soll ich die Wahrheit finden, wenn ich sie nicht diskutieren darf?
L.: Etwa mit Leuten die keine Ahnung haben?
M.: Woher wollen sie das wissen?
L.: Sie haben meist die besseren Argumente. Sonst gäbe es heute nur eine Wahrheit.
M.: Davon war ich bisher überzeugt.
L.: Ach meine Liebe, die Wahrheit ist so bunt und vielfältig wie die Menschen, die an sie glauben.
M.: Dann müsste sie grau wie die Masse der Konformisten sein.
L.: Im grau verstecken sich viele Farben. Konformisten und Philister passen sich nur aneinander an, weil die Langweile sie dazu treibt. Das ist das Grundübel unserer Gesellschaft…
M.: hiervon, dachte ich gibt es mehrere.
L.: Grundübel oder Gesellschaften?
M.: Beides.
L.: Unmöglich. Sind sie sicher?
M.: Nein.
L.: Sie sind so überzeugend.
M.: Das ist eine der natürlichen Eigenschaften, die ich zu vermeiden suche. Aber fahren sie fort. Ich bin gespannt auf ihre Definition des Grundübels. Schon seit meiner Kindheit zieht mich das Schlechte an. Es hat so etwas Verführerisches.
L.: und sie nennen mich einen Langweiler? Zu meinem Unglück muss ich gestehen, dass ich vergessen habe was ich sagen wollte. Ich denke nie länger über eine Sache nach. Das macht sie langweilig.
M.: Zu Schade, dabei waren wir der Wahrheit so nah.
L.: Ach tatsächlich? Sie sind also immer noch von der einen einzigartigen Wahrheit überzeugt?
M.: Nur für den Moment.
L.: Selbst dieser ist zuviel.
M.: Sie haben Recht. Das Leben ist zu kurz um über die Wahrheit nachzudenken. Es ist wie mit der Vergangenheit: Nachdenken über Unabänderliches ist Zeitverschwendung.
L.: Wie vieles andere was wir tun.
M.: Leider erkennt man dies meist erst im Nachhinein.
L.: Ich dachte sie denken nicht über die Vergangenheit nach…
M.: Möchten sie mir etwa einen Strick drehen, aus dem was ich gesagt habe? Es ist ganz und gar unanständig einer Frau das vorzuhalten was sie gesagt hat. Männer sollten die Worte einer Frau nicht auf die Goldwaage legen. Sie können ohnehin nicht verstehen was diese zu sagen glaubt.
L.: Entschuldigt, liebste. Manchmal vergesse ich meine eigene Dummheit und meine Frauen widersprechen zu können. Könnt Ihr mir verzeihen?
M.: Niemals. Aber reden wir nicht mehr von der Dummheit der Männer. Nicht nur das Nachdenken, sondern auch das Reden über Unabänderliches ist Zeitverschwendung.
L.: Ausgezeichnet. Ich befürchtete schon ich könnte mich ändern…
M.: Oh, das tun sie aber, mein Bester. Allerdings zum Schlechteren.
L.: Das muss an ihnen liegen. In Anwesenheit von Frauen werde ich immer so vulgär.
M.: Wie ich schon sagte: sie sind bürgerlich.
L:. Es trifft mich zutiefst, wenn sie das sagen. Meinen sie nicht ich könnte das ändern?
M.: Jetzt sofort?
L.: Später werde ich nicht mehr daran denken.
M.: Nun gut, versuchen sie es. Aber ich muss sie warnen: Ich halte die Erfolgsaussichten für gering.
L.: und?
M.: Keine Veränderung. Zumindest keine merkliche. Im Gegensatz zu Frauen, sollten sich Männer alles anmerken lassen. Es gibt nicht Schlimmeres, als wenn eine Frau nicht weiß was ihr Mann möchte. Am Ende könnte sie ihm Gutes tun.
L.: Was für eine wunderbare Vorstellung…
M.: Ich finde sie abscheulich. Männer müssen Qualen leiden. Sonst sehnen sie sich nicht mehr nach der schützenden Hand einer Frau.
L.: Oh, aber ich finde Männer quälen sich untereinander schon genügend,…
M.: Das ist deren Problem, nicht das der Frauen.
L.: Meinen sie nicht man könnte nachsichtiger mit ihnen sein?
M.: Nein. Nachsicht ist eine weitere Form von Einsicht, die ich nicht zu erreichen suche.
L.: Bedenken sie die Qualen…
M.: mir wird ganz warm ums Herz.
L.: Ich spüre nur ihre Kälte.
M.: Wie ich bereits sagte: Männer können Frauen nicht verstehen. Das ist ihr natürliches Schicksal.
L.: ich dachte das ist der Tod…
M.: Sie halten den Tod für ein natürliches Schicksal?
L.: Für gewöhnlich ja…
M.: Der Tod ist zwar gewöhnlich aber nie natürlich. Wenn man nicht das Glück hat eines gewaltsamen Todes zu sterben, vollzieht die traute Zweisamkeit der Ehe den Rest.
L.: ist der Tod durch Ehe nicht natürlich? Am Ende stirbt einer der beiden durch das Zutun des Anderen…
M.: Mag sein, aber wer zuerst stirbt bleibt offen. Das ist das natürliche Roulette des Lebens…
L.: …aber was geschieht mit denjenigen, die nie eine Ehe eingehen?
M.: Die sterben an Gram und Neid auf die anderen.
L.: Ich verspüre weder Neid noch Gram, nur Mitleid.
M.: Eine weitere mögliche Todesursache…
L.: Natürlich.
M.:----
L.: Sie schweigen ja.
M.: Wenn sich Menschen etwas zu sagen haben, sollten sie schweigen.
L.: auch bei Problemen?
M.: Seit wann sind Probleme durch Gespräche lösbar? Gespräche schaffen geradezu Probleme. Das ist der Grund warum man redet, wenn man nichts zu sagen hat. Problemlosigkeit ist langweilig…
L.: unlösbare Probleme aber eine Tragödie.
M.: Eine Komödie! Nichts erfreut mich mehr als Probleme zu haben.
L.: sollte es Sie nicht betrüben?
M.: Wozu? Das ist bloße Zeitverschwendung.
L.: Aber haben sie dann überhaupt Probleme?
M.: Jede Menge, aber ich muss zugeben mich zu selten um diese zu kümmern. Wahrscheinlich bin ich deshalb in letzter Zeit so launisch.
L.: Oh, und ich hoffte schon es läge an mir.
M.: Machen sie sich keine Hoffnungen. Männer können einer Frau nicht die Laune verderben. Dafür sind sie viel zu amüsant.
L.: Sie schätzen also meinen Humor?
M.: Nein, ich lache sie aus.
L.: Wie ungemein bösartig von ihnen. Befürchten sie nicht, ich könnte es als eine Kränkung aufnehmen?
M.: Nein, dafür sind Sie zu intelligent.
L.: Wie ungemein freundlich. Nach solcher Bösartigkeit, wirkt ihr Lob weitaus stärker. So langsam beginne ich zu begreifen, warum nette Frauen von Männern nicht geschätzt werden. Meinen sie ich komme der Wahrheit näher?
M.: Welcher Wahrheit?
L.: Der einen.
M.: Ich dachte es gibt keine eine…
L.: Nein, aber es gibt eine über Frauen.
M.: Die gibt es tatsächlich, da haben sie Recht. Unglücklicherweise fehlt ihnen die Intelligenz dieser auf den Grund zu kommen
L.: Eben klang das noch anders.
M.: Das beweist, dass sie nichts begriffen haben.
L.: Ich habe das Gefühl sie spielen mit mir.
M.: und das ohne Herz-Dame. Bewundernswert nicht wahr?
L.: Was hat die Herz-Dame damit zu tun?
M.: Sie ist Trumpf.
L.: Ich dachte das wären die Asse und beim Skat die Buben.
M.: Ein Bube ist niemals Trumpf und Asse gibt es nicht auf dieser Welt.
L.: Aber womöglich auf einer anderen.
M.: Noch nicht mal dort…
L.: Träumt nicht jede Frau vom perfekten Mann?
M.: Träumen ja, aber haben möchten sie ihn nicht. Ein Mann den man nicht mehr verändern braucht ist langweilig.
L.: Ich verstehe nicht…
M.: Das macht nichts. Ich genieße ihre Anwesenheit trotzdem.
L.: Meinen sie nicht ich könnte mich doch steigern?
M.: Nur durch den Tod, aber ich fürchte den werden sie nicht bewusst miterleben.
L.: Nicht einmal einen Teil?
M.: Nicht einmal einen Teil. Bis er nämlich tatsächlich eintritt sind sie immer noch fest überzeugt ihm entrinnen zu können.
L.: Unser Gespräch erhält den Schein der Ernsthaftigkeit. Ausgezeichnet. Nichts ist interessanter als tiefgründige Gespräche in seichtem Wasser.
M.: Auch seichtes Wasser kann zur Erkältung führen.
L.: … und die zum Tod.
M.: Wie schade, dass eine solche Kleinigkeit, solch große Ausmaße annehmen kann.
L.:… ähnlich der Liebe.
M.: Kommen sie mir nicht mit so etwas. Davon verstehen sie nichts.
L.: Sie aber wie mir scheint auch nicht viel mehr.
M.: Ich hatte schon die Masern, Schnupfen, Röteln und vielerlei andere Krankheiten, aber von solcher blieb ich glücklicherweise verschont.
L.: Ich glaube sie lügen.
M.: Oh, unterstellen sie nie einer Frau eine Lüge. Frauen belügen nicht andere, sondern sich selbst. Nehmen sie ihnen nicht ihre Illusionen.
L.: Auch nicht, wenn man ihnen helfen kann?
M.: Der letzte Mann, der einer Frau geholfen hat, war der Henker von Maria Stuart.
L.: Sie meinen Männer verstehen Hilfe falsch.
M.: Männer verstehen überhaupt nicht.
L.: Das sagten sie bereits.
M.: Natürlich. Es gibt nichts Schöneres als sich zu wiederholen. Das gibt dem Gegenüber das Gefühl man würde auch tatsächlich meinen was man sagt.
L.: Wiederholungen verlängern aber auch Gespräche. Teilweise sogar unnötigerweise. Haben sie heute nichts mehr vor?
M.: Ich habe nie etwas vor. Planen gehört nicht zu meinen Stärken.
L: Nun denn, aber zu denen des Mannes. Unglücklicherweise stellen wir mit der Vollendung eines Planes fest, dass sich eine Vielzahl von neuen uns eröffnet hat. So treiben wir durchs Leben, bis wir schließlich daran gehen unseren Tod zu planen. Geklappt hat es aber – soviel ich weiß – nur bei den wenigsten.
M.: Wieso das?
L.: Im letzten Moment fiel ihnen immer noch etwas ein, was sie vergessen hatten.
M.: und was wäre es so wichtiges, dass es nicht einen kurzen Aufschub verdient?
L.: Oh, zu Leben. Aber um meine vorherigen Ausführungen fort zusetzten: Meine Pläne für heute sind noch nicht einmal ansatzweise angegangen, deshalb fürchte ich sie baldigst verlassen zu müssen.
M.: Dann fürchten sie weiter, während ich mich von ihnen verabschieden muss.
L.: Sie müssen auch gehen? ich dachte sie hätten keine Termine.
M.: Eine Frau hat keine Termine, sie richtet sich nach dem Mann.
L.: recht chauvinistische Worte für eine Frau…
M.: … weil sie sie nicht verstehen. Eine Frau verlässt den Mann bevor dieser es tun kann. Somit erspart sie sich das Gefühl zurückgelassen worden zu sein.
L.: Nur bei einem Treffen?
M.: Immer.
L.: Das sollte ich mir merken, es ist gefährlich einem Mann so etwas mitzuteilen.
M.: Nicht wirklich. Männern fehlt die Fähigkeit wichtige Dinge von unwichtigen zu unterscheiden. Männer denken in Fakten, nicht in Zusammenhängen.
Auf Wiedersehen, Lord.
L.: Es war mir eine Ehre Mrs.
M.: Eine Ehre wäre es gewesen, wenn sie mir das letzte Wort gelassen hätten. Nun sah ich mich gezwungen doch noch etwas zu sagen. Es liegt wohl in der Natur des Mannes seine Höflichkeit zu unterdrücken.
L.: Genauso wie es in der Natur der Frau liegt, nichts für sich zu behalten – noch nicht einmal das Unwichtige. Wie wurde ich von ihnen heute wieder belehrt…
M.: Schade, dass es ihnen an Rezeptionsfähigkeit fehlt. Trotzdem werde ich nie aufgeben sie zu verbessern suchen. Es ist eine tugendhafte Tätigkeit, die zwar zu nichts führt, aber immerhin die Zeit vertreibt. Nun schließlich: Leben sie wohl, mein guter Lord.